Re: Religion (philosophisches System)? oder Glaube ( Hilfe zum Zusammenleben)?
Geschrieben von Ahmet am 22. März 2000 13:34:18:
Als Antwort auf: Re: Was gibst Du als Antwort, wenn dich jemand fragt.... geschrieben von Florian S. am 21. März 2000 22:32:47:
Hallo Florian,
>Sehen Sie, ich bin Agnostiker.
Wenn ich das Wort richtig verstehe, so glaubst Du also nur, was Du mit deinen Sinnen wahrnehmen kannst, aber nichts, was Du nicht mit deinen Sinnen wahrnehmen kannst. Dann haben wir ja etwas gemeinsam. Der Unterschied ist warscheinlich nur, das ich von einem Ursprung aus gehe und dieser Ursprung enthält den ewigen Gott, der bis heute überdauert hat. Ein Gott, von dem es kein Bild, sprich Vorstellung gibt.
>Bertolt Brecht schrieb einmal "Gott ist in uns oder nirgendwo!
Kann es sein, dass das auch in der Bibel steht? Es ist mir, als hätte ich das schon in der Bibel gelesen. Nur ist es da aus der Sicht von Gott und heisst: Es gibt nur Gott, deinen Gott und wenn Du an mich glaubst, so bin ich bei Dir. Wenn Du aber an mir zweifelst, so findest Du mich nicht.
>Oder mit den Worten vom französischen philosophen Sartre "Auch Göter sterben, wenn niemand mehr an sie glaubt."
Ja, da bin ich seiner Meinung. Aber mit Götter meint er wohl diejenigen, die als Bildnis dargestellt wurden. Und aus diesen Bildnissen entstanden auch die Religionen. Der ewige Gott wird nie vergehen, da dieser nur im Herzen der Menschen existiert. Also als Religion gar nicht existierender Glaube ist.
>Für mich persönlich sind gläubige Menschen gescheiterte Philosophen.
Ich würde diesen Satz etwas anders ausdrücken: Für mich persönlich sind Philosophen diejenigen, die den Glauben an Gott zum Scheitern bringen. Würden die Philosophen nicht die Thora, den Veda, die Bibel oder den Koran mit ihren Auslegungen ergänzen, so gäbe es nur den Glauben und es entstünden keine Religionen(philosophische Systeme).
>Sie haben versucht, die Wahrheiten der Welt zu finden und sind gescheitert.
>Nun bedienen sie sich der erst besten
>Möglichkeit, eine "Fix-fertig-Wahrheit" zu fressen, die ihnen die Antworten präsentiert.
Genau das meine ich mit dem oberen Satz auch.
>Ich denke es ist naiv, wenn man glaubt, die Wahrheit einfach in ein Buch quetschen zu können (sprich: Bibel, Koran, ...).
>Dadurch verliert sie doch letztlich jeden Absolutheitsanspruch.
Genau das ist auch geschehen. Aber alle diese heiligen Schriften, ob Thora, Veden, Bibel oder Koran hatte ursprünglich alle die gleiche Botschaft. Es ging nicht um das Leben nach dem Tode, sondern um das Zusammen- Leben mit Menschen in der Gegenwart, Sprich 10 Gebote. Der Mensch aber wurde zum Philosoph und da wurde der Ursinn gespalten. Siehe auch im unten genannten Beitrag.
>Denn es ist doch unsere Sprache, unsere idee, unsere Fragestellung.
Genau, das denke ich ja auch....
> Meine Antwort auf die obengenannte frage ist eher: nein, ich bin nicht gläubig, weil ich davon überzeut bin, dass ich das
>"Opium für`s Volk" nicht nötig habe.
Hast Du die Frage auch wirklich richtig verstanden? Mir geht es um die Unterscheidung zwischen Religion als System (auch Opium) und dem Glauben an Gott (Lebenseinstellung: Zusammenleben)
> Ich bleibe schlussendlich beim Satz Voltairs (französischer Philosoph und Naturwissenschaft!
>ler) "Il faut cultiver notre petit jardin !)
Tut mir Leid, diesen Satz habe ich nicht verstanden. Ich verbleibe aber mit dem Satz: Ich glaube an Gott, nicht jedoch an ein von Menschen geschaffenes System (Religion). Aber toleriere diese Ansichten trotzdem, wenn es dem Einzelnen hilft.
> Mit den besten grüssen aus der Schweiz, Florian S. (angehender Schriftsteller und Philosoph)
Auch ich grüsse Dich und wünsche viel Spass beim Schreiben deines Buches.
Ahmet