Re: Mein Eindruck.../ und Abraham

Ursprünge der Religionen

Geschrieben von Ahmet am 08. September 2000 19:51:00:

Als Antwort auf: Mein Eindruck.../ und Abraham geschrieben von Marianne am 01. September 2000 22:26:30:

Liebe Marianne,

>> von deinem Glauben ist, daß du eine neue Form des ISLAMS praktizierst.

Das hat schon etwas dran. Der Grund dafür ist aber nicht meine Zuneigung zu dieser Religion, sondern viel mehr die Situation, das ich auch die jüngste Religion akzeptiere. Jeder ist Muslime, der an den einen Gott glaubt und auch Mohammed als Propheten akzeptiert. Das ist das Glaubensbekenntnis des Islam, was aus dem Koran hervor geht.

>>Deine Ansichten machen auf mich einen reformatorischen Eindruck...

Da kann ich Dir allerdings nicht zustimmen. Ich habe einen ganz anderen Grundgedanken als alle Religionen. Ich würde eher behaupten, dass die heutigen Religionen durch Reformationen zu dem geformt wurden, was man zur Zeit sehen kann (durch erneuerte Schulen, durch Konzile u.s.w.). Ich habe nicht die Absicht, etwas zu verändern (lateinisch reformatio: Umgestaltung, Erneuerung). Mit meiner Meinung möchte ich auch niemanden missionieren. Im Gegenteil, ich halte mich an das, was die heiligen Schriften (Rigveda, Thora, Evangelien, Koran) zu Beginn der jeweiligen Religionszeit (neuer Bund mit Gott) von der Menschheit verlangten. Die Religionen jedoch haben von Zeit zu Zeit das Wort Gottes mit weiteren Schriften (Prophetenbücher, Upanishaden, Paulusbriefe u.s.w.) ergänzt. Diese Ergänzungen sehe ich nicht als das Wort Gottes. Es sind das Wort der Menschen (Papst, Guru, Philosophen, Reformatoren u.s.w.).

In allen Religionen der Welt geschah dieses Übel. Denn würde man alle die Veränderungen (alle geschichtlich rückverfolgbar) zurück zum Ursprung setzen, so würde man erstaunlicher weise sehen, das eigentlich gar keine Unterschiede zwischen den Religionen bestehen würden. Genauer gesagt, es hätte gar keinen Grund gegeben, eine neue Religion zu gründen. Der Mensch würde an Gott und nicht an eine Religion glauben. Aber weil die Veränderungen trotzdem stattgefunden haben, hat Gott einen nächsten Propheten gesandt, um einen neuen Bund mit Gott zu schliessen. Diese Meinung vertritt heute nur der Islam und das Judentum. Die Christen glaubten das nur die ersten 3-5 Jahrhunderte und dann kam die Umgestaltung (Reformation).

Also nicht ich mache den reformatorischen Eindruck. Das kam von anders wo. Ich bemühe mich, alle diese Veränderung zwar zu akzeptieren, aber nicht für mich als verbindlich zu sehen. Ich bevorzuge lieber Gott, unseren Gott im Himmel.


>> ...ISLAMISCH. Dies im besonderen Maße, wenn du den "Stammvater Abraham" nennst. Er war weder Jude, noch Christ, noch Muslim? Dabei bedeutet Muslim ja: ein Mensch der sich Gott unterwirft, oder? Es gab keine Bibel, kein Koran usw. Du ahnst sicher, was ich meine.

Das ist richtig, und ich stehe dazu, das ich ein Gott ergebener Mensch bin. Wie sich das in meinem Leben auswirkt, habe ich oben schon erwähnt. Ich gebe mir Mühe, nicht gegen Gott zu handeln. Ich handle nach meinem Herzen und nach meinem Verstand, wie es auch Abraham getan hatte.

>> Apropos Abraham: es ist recht schick den guten alten Abraham sich zum geistlichen Urpapa zu nehmen.

Als UrPapa nehme ich mir Abraham gar nicht. Für mich ist er ein Bekenntnisloser, sehr guter Mensch gewesen, der nach seinem Herzen lebte und das Ziel Gottes erkannte.

>> Im interreligiösen Dialog muß er ständig für diese DREI etwas schizoiden Kinder Judentum, Christentum und Islam herhalten. In der Zwischenzeit frage ich mich aber, ob ihm das denn gefiele, und ob es in seinem Sinne wäre?

Das frage ich mich schon sehr lange. Nicht nur bei Abraham. Auch bei Jesus oder Mohammed. Bei Jesus frage ich mich unter anderem, was er über Menschen denkt, die ein Hinrichtungsgegenstand der Römer als sein Symbol tragen. Mohammed wird sich fragen, warum die Menschheit seine Botschaft, die Religionen zu vereinen nicht erkannt haben.


>> .....war es nicht einfach nur Kadavergehorsam seinen Sohn einfach opfern zu wollen? In der Bibel steht, daß Gott ihn "versuchte".

Was Du mit Kadavergehorsam meinst, habe ich nicht ganz verstanden. Kannst Du mir das etwas präziser formulieren bitte? Was das opfern "wollen" des Sohnes angeht, da lief es etwas anders. Abraham wartete sehr lange auf einen eigenen Sohn. Leider war es in der Kultur Abrahams ganz normal seinen ersten Sohn an irgend welche Götter zu opfern. Das geschah in seiner Umgebung (anderen Familien) jeden Tag. Abraham erhörte jedoch die Stimme unseres Gottes (damals hinter anderen Göttern verloren), die ihn danach nach seinem Herzen handeln liess, und dieses übliche Ritual nicht mit seinem Sohn vollzog. Das wird erst so ersichtlich, wenn man den aramäischen Bibel-Text mit der damaligen Kultur und der Sprachwissenschaft betrachtet.

>> Was viele als tiefen Glauben ansehen, wirkt auf mich wie ein Rückfall in den Religionskult seiner Landsleute, nämlich den Göttern blind zu opfern.

Opfern war schon immer etwas göttliches. Würde man dieses noch heute nach den ursprünglichen Lehren vollbringen (Veränderungen zurücksetzen), so gäbe es keine Metzgereien im heutigen Sinne. Es gäbe keine schlechte Tierhaltung. Die Tiere bekämen nicht Abfall zum Essen. Eine Opferung wurde ursprünglich mit grosser Achtung vor Tieren durchgeführt. Das ist etwas, das ich bei jüdischen und islamischen Kreisen eher antreffe, als bei uns in den christlichen Ländern.

>> Auch der Christenmensch tut sich da schwer. Dabei ist er aber schon etwas weiter. Das Mittelalter liegt schon hinter uns, der Islam steckt mitten drin.

Was meinst Du mit weiter? Wir Christen sind doch gar nicht weiter? Findest Du es besser, wie es hier bei uns abläuft? Gott wird uns übrigens nicht nach der Religion, sondern nach unserem Handeln richten. Das steht so unter anderem in den Evangelien.

Ich bin also kein Muslime, sondern einer der 800'000 Bekenntnislosen, die sich nicht einer der bestehenden Religion bekennen, sprich unterwerfen.....


Liebe Grüsse

Ahmet




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