Luzides Träumen?

Die Ewige Religion

Geschrieben von Praekursor am 02. Dezember 2000 21:23:53:

Hallo, Forum -

bin durch zufall auf dieses Diskussionsforum gestossen; auch, wenn es nicht ganz zut Thematik passt, vielleicht hat doch jemand von Euch einen Denkanstoss für mich...

Vor 12 Jahren, im zarten Alter von 16, hatte ich aufgrund eines Unfalls zwei recht schwere Operationen zu erleiden: Die erste verlief ohne Komplikationen, so dass ich meine, diesen Verlauf als "normal" bezeichnen zu können.

Beim zweiten Mal war allerdings alles anders...

Es ist mir nicht bekannt, ob Euch die Prozedur des Versetzens und des Aufrechterhaltens des Zustandes der Narkose im Einzelnen bekannt ist; zumindest ist es sehr ungewöhnlich und unwahrscheinlich, während des narkotisierten Zustandes "Träume", tiefergreifende Empfindungen, Präsenz des Ich-Bewusstseinsoder aber logische, bewusst gesteuerte Gedankengänge zu durchleben: Allenfalls während der Aufwachphase wäre dies möglich; aber NIEMALS in dieser ausgprägten Form, wie es mir vergönnt war.

Es kommt hinzu, dass ich und meine Mutter, nachdem die OP überstanden war, auf meinr Brust, in der Nähe meines Herzens, eine kleine "Einstichwunde" fand (Intrakordial-Injektion?). Ich komme aus der ehemaligen DDR, eine Aussage, inwiefern es Komplikationen gab, wurde zur damaligen Zeit partout, trotz intensivster Nachfrage, NICHT geliefert; Krankenakten waren nicht einzusehen.

Eine lange Einleitung, das ist mir voll bewusst, aber ich denke, sie ist wichtig; um das Folgende begreifen und einordnen zu können:

Setzt man dem Patienten die Maske mit dem Anästhetikum auf, verabreicht man ihm die Injektion, dann geht alles sehr schnell: das Erwachen schliesst sich, zumindest dem Empfinden nach, unmittelbar an. So war es auch bei mir; allerdings nur bei der ersten OP. (Es fällt mir noch immer; jedes Mal, wenn ich es Freunden erzähle, ganz besonders aber auch jetzt, da ich dich gar nicht kenne; schwer, ohne tiefe Empfindungen darüber zu sprechen...)

Der Arzt kam, lächelte, setzte mir die Maske auf, die Injektion wurde wohl zugeführt, die Umgebung um mich herum verschwamm, verzerrte sich, wurde von tiefster Dunkelheit abgelöst; normal eben, wie beim ersten Mal. Doch, der erlösende Moment des Erwachens liess auf sich warten:

NEIN, ich habe mich NICHT vom Körper gelöst, da war kein Tunnel, kein Licht; NICHTS, was sich mit den Nahtodes-Erlebnissen Anderer vergleichen liesse; NICHTS, was auf ein Flackern meiner Endorphin-Drüsen zurückzuführen wäre. Es war ein wenig anders:

Es BLIEB nämlich dunkel! Und, ich war und blieb mir dieser Tatsache voll im Klaren, war mir meiner selbst bewusst, empfand, dass dies ein ungewöhnlicher Moment war. Schwärze, tiefste Schwärze um mich herum, und mittendrin ich, allein - aber im vollen Bewusstsein der Tatsache, ZU HAUSE ZU SEIN! Es war dieses so intensive Gefühl, diesen Zustand, diesen ORT zu KENNEN, mich zu erinnern... Ich "dachte": "... endlich, endlich bist Du WIEDER hier, endlich kannst Du alles wiedersehen...., ...es ist so schön, WIEDER HIER zu sein..!"

(Dieses überwältigende Glücksgefühl, dass ich empfand, lässt sich mit Worten einfach nicht beschreiben. So, genau so, spielte sich alles ab...)

Ich "sehe" mich um: obwohl ich mir der Schwärze um mich herum völlig bewusst ist, kann ich sehen; in Farben, die ich nicht beschreiben kann, Farben, die ich nicht benennen kann, Farben, die ich wahrscheinlich nicht einmal kenne, Farben, trotz der tiefen Schwärze um mich herum, ich weiss nicht, weshalb:

Ich stehe auf einer Ebene, sie ist gewaltig, erstreckt sich bis zum Horizont, kein Laut dringt an mein Ohr, es ist schwarz, still, steril; aber ich sehe, denke, staune...

Die Ebene, das Plateau, eine perfekte ebene Fläche; worauf immer ich auch stehe; wird durchzogen von parallelen Gräben, nicht sehr tief, in gleichmässigen Abständen, bis zum Horizont in weiter Ferne. Ich stehe in einem solchen Graben, bemerke eine kristallartige, obsidianglasige, abgewinkelte, gleichmässige, erhabene, künstlich wirkende Struktur ZWISCHEN den Gräben, welche ihnen folgt. Und, ich empfinde dies als normal, zu diesem Ort gehörend; erst jetzt, im Nachhinein, sinniere ich über den Zweck, die Bedeutung dieser Struktur.

Ich erhebe meinen Blick nach oben: und erlebe den wohl gewaltigsten, tiefgreifendsten, rührendsten Augenblick meines bisherigen Lebens: über mir, im Zenit, dreht sich ein gewaltiges Objekt, einer Galaxie, einem Spiralnebel gleich, ein Malstrom aus purer Kraft mit einem schwarzen Zentrum: Golden, blau, und weiss schimmernd: majestätisch langsam, Erfurcht einflössend. Mir rinnen die Tränen herab; ist es doch der Moment, auf den ICH SO LANGE GEWARTET HABE; diesen Ort, dieses Schauspiel wiederzusehen. Ich WEISS, dass ich hierher gehöre, dass ich hier schon einmal war, dass dies ein Zuhause für mich ist. Und, endlich sehe ich die ANDEREN, die auf mich gewartet zu haben scheinen...

Genau seit diesem Zeitpunkt habe ich "Träume", nicht in der Art, wie ich VORHER träumen gewohnt war, und wie es natürlich auch weiterhin vorkommt: Es sind Bilder, Töne, Gerüche in einer solchen Intensität, teilweise Stimmen, die in mir zu mir sprechen, kommentierend, erläuternd; Träume, die ich nicht sofort beim Erwchen vergesse, sondern, die mit ihrer gesamten Intensität in meinem Gedächtnis bleiben, dass ich mich jedesmal darauf freue, zu träumen; diese Orte besuchen zu können. Das Erlebnis währen der OP war der Anfang, ich könnte Seiten füllen, was ich zwischenzeitlich "DORT" erleben durfte...

Ich bin kein Spinner, ich habe ein intaktes Geistesleben, bin ein mit beiden Beinen im Leben stehender Mensch, habe es nicht nötig, auch nicht finanziell, mich mit erfundenen Phantastereien zu profilieren. ABER, ich weiss, dass damals während der OP, vielleicht durch den Schock einer Komplikation auf mein Nervensystem, etwas geweckt wurde. Etwas, was ich als real empfinde, als Erinnerung, oftmals als Film, kommentiert von einem unsichtbaren Sprecher. Nur selten kann ich deuten, WAS ich sehe, aber ich kann es detailliert beschreiben...

Falls Interesse an dieser Themtik besteht, schreibe ich gern mehr über meine Träume.

Beste Grüße, Alexander.





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