Aussatz
Geschrieben von Reiner am 02. Dezember 2000 23:15:12:
Als Antwort auf: Bist Du psychisch krank, Reiner..? geschrieben von Moiche Urinstein am 02. Dezember 2000 11:58:38:
>Entschuldige, vielleicht trete ich Dir hiermit zu nahe; aber getatte mir bitte eine Frage: bist Du krank? Hast Du psychische Probleme? Hörst Du Stimmen? Wächst Dir bei Vollmond ein grünes Fellauf dem Rücken?
>Bitte, lass Dich untersuchen..!
>Liebe, einer, der es gut meint!
Da muss Dir ja mächtig was an die Nieren gegangen sein, Subhash, wenn Du schon Steine im Urin hasst.
Gut, dass Dir nun klar wird, auf welchem Höllenglauben Du reitest und an andere verbreitest.
Zur Deiner an hoffentlich auch anderer Leute belleerung folgender Buchstabensalat (mit eingebauter Hihlwirkung)
Geisteskrankheit - ein moderner Mythos
Thomas Szasz, 1920 in Budapest geboren, emigrierte 1938 in die Vereinigten Staaten. Er studierte Medizin und Psychiatrie und erhielt eine psychoanalytische Ausbildung in Chicago. 1948 eröffüete er eine psychoanalytische Praxis; ab 1956 war er Professor für Psychiatrie an der State University of New York in Syracuse; 1990 emeritiert.
Thomas Szasz ist einer der schärfsten Kritiker der Psychiatrie und ihrer Behandlungsund Verwahrungspraktiken. Er gehört zu den ersten Vertretern der Anti-Psychiatrie, zusammen mit Ronald D. Laing, Robert Castel, David Cooper, Franco Basaglia und Erving Goffinan.
Nach Szasz praktiziert die Psychiatrie ,,grausames Mitleid". Sie definiert Menschen zu psychisch ,,Erkrankten" und versorgt sie dementsprechend. Dadurch werden deren Freiheitsrechte grausam mißachtet. Er legt dar, daß die Psychiatrie - hervorgegangen aus Zwangseinrichtungen früherer Zeiten - vor allem dazu dient, sozial ,,unerwünschte" Personen im gesellschaftlichen Auftrag wegzusperren, vermeintlich zu deren eigenem Wohl, tatsächlich jedoch zum Wohl der Gesellschaft.
Szasz erhebt die kompromisslose Forderung, alle Menschen, ob auffällig oder nicht, zuallererst als Mitbürger zu behandeln, d.h. ihnen die Freiheit zu lassen, so zu leben wie sie wollen. Auch wenn es andere stört.
Wissenschaftspolitisch ist Szasz vor allem als Kritiker psychiatrischer Zwangspraktiken hervorgetreten. Er ist Mitbegründer und Vorstandsmitglied der amerikanischen Vereinigung zur Abschaffung der Zwangseinweisung in Nervenheilanstalten. Obwohl er sich mit seinen kritischen Äußerungen über Gerichts- und Anstaltspsychiatrie, über Praktiken des psychoanalytischen Establishments in den USA, über die Analogien zwischen Hexenverfolgung bzw. Inquisition im Mittelalter und den medizinisch verbrämten Mißhandlungen sogenannter geisteskranker Menschen im Rahmen der modernen Anstaltspsychiatrie viele Feinde geschaffen hat, wurde Szasz - wohl nach der Devise »Viel Feind', viel Ehr'« - auch sehr geehrt. Seit 1962 ist er Gastprofessor an der Universität Wisconsin in Madison, seit 1968 an der Marquette University in Milwaukee. Er erhielt zahlreiche Auszeichnungen und Ehrenmitgliedschaften. Man hat nicht den Eindruck, daß Szasz sich bei Erreichen der Altersgrenze - zur Ruhe setzen wird.
Szasz's Thesen zum Mythos Geisteskrankheit
1. Genau genommen können Krankheiten nur den Körper befallen; daher kann es keine Geisteskrankheit geben.
2. "Geisteskrankheit" ist eine Metapher. Ein Geist kann nur in dem Sinne ,,krank" sein wie schwarzer Humor ,,krank" ist oder die Wirtschaft ,,krank" ist.
3. Psychiatrische Diagnosen sind stigmatisierende Etiketten; sie sollen an die medizinische Diagnosepraxis erinnern und werden Menschen angehängt, deren Verhalten andere ärgert oder verletzt.
4. Gewöhnlich werden Menschen, die unter ihrem eigenen Verhalten leiden und darüber klagen, als ,,neurotisch" und jene, unter deren Verhalten andere Leiden und über die sich andere beklagen, als ,,psychotisch" bezeichnet.
5. Mit "Geisteskrankheit" beschreibt man nicht etwas, was eine Person hat, sondern etwas, was sie tut oder ist.
6. Wenn es keine ,,Geisteskrankheit" gibt, kann es keine ,,Hospitalisierung", ,,Behandlung" oder ,,Heilung" von ,,Geisteskrankheiten" geben. Menschen können mit oder ohne Eingreifen des Psychiaters ihr Verhalten oder ihre Persönlichkeit ändern. Solche Eingriffe nennt man heute ,,Behandlung". Die Veränderung, wenn sie in einer von der Gesellschaft gebilligten Richtung verläuft, heißt ,,Genesung" oder ,,Heilung".
7. In die Strafrechtspraxis eingedrungene psychiatrische Vorstellungen - z.B. Antrag auf Unzurechnungsfähigkeit' Gutachten über das seelisch-geistige Unvermögen des Beklagten, einen Prozeß durchzustehen, usw. - korrumpieren das Recht und machen die Bürger, derentwegen sie vorgeblich herangezogen werden, zu Opfern.
8. Persönliches Verhalten folgt stets Regeln, ist strategisch und sinnvoll. Soziale Beziehungen können als Spiele betrachtet und analysiert werden, wobei das Verhalten der Spieler von ausdrücklich formulierten oder stillschweigend wirksamen Spielregeln gelenkt wird.
9. Bei den meisten Arten von freiwilliger Psychotherapie versucht der Therapeut dem Behandelten die unausgesprochenen Spielregeln, nach denen er sich richtet, zu erläutern und ihm bei der Überprüfung der Ziele und Werte der von ihm praktizierten Lebensspiele zu helfen.
10 Es gibt keine medizinische, moralische oder juristische Rechtfertigung für unerbetene psychiatrische Eingriffe wie ,,Diagnose", ,,Hospitalisierung" oder ,,Behandlung".
Sie sind Verbrechen gegen die Menschlichkeit.
Prinz in Psychiatrie?
Berlin - Ernst August Prinz von Hannover (45) gehört nach Meinung der Mehrheit der Bundesbürger in die Psychiatrie. Bei einer Umfrage des GEWIS-Instituts für die Zeitschrift "Das Neue" vertraten 51 Prozent die Ansicht, der Ehemann von Prinzessin Caroline von Monaco solle sich behandeln lassen. (ap)
Die heutige Situation
Mit dem Ende der Vormachtstellung der Kirche im europäischen Geistesleben und dem damit verbundenen Niedergang der Macht der Inquisition auf die Freiheit des Denkens und Fühlens entwickelte sich im 17. Jahrhundert die Psychiatrie als Seitenzweig der Medizin.
Die Macht und Energie, die sich als mittelalterliche Inquisition mit allen schrecklichen Nebeneffekten wie Hexenverfolgung und Ketzerverfolgung ausdrückte, hatte die Tarnkappe aufgesetzt und tauchte nun als Psychiatrie wieder auf, ideologiefrei und universell einsetzbar.
Das Ziel nachwievor:
Brandmarkung und Verhinderung gesellschaftlich unerwünschten Denkens, Fühlens und Handelns.
Die Mittel:
Hospitalisierung statt Scheiterhaufen
Zwangsjacke, Elektroschocks und seit den 50er Jahren chemische Zwangsjacken (hochpotente Neuroleptika) statt Folter und Verstümmelung
Die Argumentation:
Statt den Körper zu zerstören um die Seele zu retten wird nun die Seele zerstört um den Körper und sein roboterhaftes Funktionieren in den jeweils vorgegebenen gesellschaftlichen Rahmenbedingungen zu gewährleisten.
Die Inquisitiuon hat, wenn man so will, gelernt, ist nicht mehr an christliche Glaubensvorstellungen gebunden und ist als ideologiefreie Werkzeugkiste der Repression von jeder Religion und jeder gesellschaftlichen Ideologie einsetzbar. Dies hat die Psychiatriegeschichte im 20. Jahrhundert eindrucksvoll demonstriert, sie es im Faschismus, im sogenannten Sozialismus, bis zur heutigen Verwendung in China, wo Andersdenkende oder Andersgläubige (Falun Gong) kollektiv als “Geisteskrank“ erklärt werden.
Die Methode:
Bestimmte Gefühle, Gedanken, Bewusstseinszustände werden per Katalog als Krankheit definiert. (die Inquisition benutzte das Wort “teuflisch“, die Chinesen auch). Da definitionsgemäss ein Nachweis über die Richtigkeit des Katalogs nicht geführt werden muss, kann er nach Bedarf jederzeit ergänzt oder umdefiniert werden.
Das Problem:
Da die psychiatrische Doktrin keine Definition dessen kennt, was gesund oder normal ist, besteht keine Möglichkeit, die Etikettierung “geisteskrank“ je wieder loszuwerden. Eine Führerscheinprüfung für geistige Gesundheit existiert (gottseidank) noch nicht. Hinzukommt, dass der Katalog “psychotischer Symtome“ mittlerweile so umfangreich geworden ist, dass bei entsprechendem bösem Willen jedes, aber auch wirklich jedes Alltagsverhalten als “psychotisch“ bezeichnet werden kann. Hier ein extremes Beispiel: Ein bekannter Mitleidender wurde vom Amtsrichter wegen guten Benehmens in die Geschlossene eingewiesen. Der Richter sah das einwandfreie Verhalten des Patienten als Beweis für die Simulation von Normalität. (Der Richter heisst K. und praktiziert in O. Mittlerweile sind Strategien im Umlauf, wie man der höchstrichterlichen Psyche begegnen muss um Gnade zu finden, nämlich recht unterwürfig). Daraus ergibt sich für einen einmal Betroffenen als Folge die lebenslange Ausgrenzung aus der Gesellschaft der “Normalen“. Hier hat offensichtlich der Aussatz die Tarnkappe aufgesetzt.
Hinzu kommt, dass bei der psychiatrisch unverbildeten Bevölkerung heutzutage die gleichen irrationalen Ängste bei den Worten Psychiatrie und Psychose aktiviert werden, wie früher bei den Worten Teufel, Hexe, Dämon. Alles zusammen bewirkt, dass die echte Heilungsquote der Psychiatrie bei den Patienten, die als “endogen psychotisch“ bezeichnet werden, faktisch = 0 ist. Wie kann man auch etwas heilen, was als Krankheit garnicht existiert.
Die chemischen Zwangsjacken:
Der Erfolg der Psychiatrie ist in der heutigen Zeit ohne die Chemie der hochpotenten Neuroleptika undenkbar. Durch ihren Einsatz werden die Psychiater von jeder Notwendigkeit zu echter Therapie entbunden.
Anwendungsgebiete laut Beipackzettel:
- hören, sehen und fühlen, was nicht wirklich da ist
- irrige Überzeugungen
Wirkungen soweit nicht auf dem Beipackzettel ausgewiesen:
- Intelligenzverlust bishin zur Unfähigkeit zu lesen und zu schreiben
- Verlust aller Gefühle
- schwere Depressionen
- epileptische Anfälle
- schwere Hautausschläge
- quälende Darmschmerzen
- dauernder Speichelfluss
- Verlust jeden Selbstwertgefühls
- Verlust der Sexualität
- ständiges Essbedürfnis
- schwere Lähmungen des Bewegungsapparates
- zwanghafte Zuckungen und Bewegungen (Grimassenschneiden)
- Bewegungszwang (Sitzunruhe)
- Verlust jeder Spiritualität
- und mehr
Da diese Wirkungen nicht auf die Phase der Einnahme beschränkt sind, sondern bis zu 10 Jahren später noch auftreten können, ergibt sich für die meisten Betroffenen der Irrglaube, dass die neuroleptikaabhängigen Wirkungen und Nebenwirkungen ein Beweis für die Tatsache sind, dass sie nicht normal seien und tragen somit zur Selbstverurteilung der unter diesen Wirkungen schwer leidenden Patienten bei.
Ein entsetzlicher Teufelskreis. Die Selbstmordrate unter den Betroffenen ist entsprechend hoch.
Die soziale und menschliche Ausgrenzung:
Ist ein Mensch einmal als 'psychotisch' etikettiert, ist er der Willkür seines sozialen Umfeldes von nun an hilflos ausgeliefert. Seine Äusserungen und Handlungen können nun nach Belieben als 'krank' ignoriert oder mit erneuter Hospitalisierung und Medikamentierung 'bestraft' werden.
Faktisch ist die Diagnose 'Psychotisch' gleichbedeutend mit dem Verlust aller Menschenrechte. Da eine Rehabilitierung im Rahmen der psychiatrischen Doktrin nicht möglich ist, ist, logisch gesehen, die Psychiatrie der einzige Zweig der Medizin, in dem Kunstfehler oder Fehldiagnosen nicht möglich sein dürfen. Die Unfehlbarkeit ist also als impliziter Anspruch mit eingebaut.
Wird fortgesetzt
Wersich allein fühlt, Hilfe braucht, Informationen und Kontakte mit Gleichgesinnten, Stärkung des eigenen Standpunktes, usw findet dies alles bei der organisierten Antipsychiatrie in Berlin
www.psychiatrie-erfahrene.de
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Psychisch Kranke leiden unter Vorurteilen - Anti-Stigma-Kampagne
von Sabine Brendel, dpa =Leipzig (dpa) - Der Umgang der Gesellschaft mit psychisch Kranken kann ihnen das Leiden erschweren. "Viele weigern sich nicht zuletzt wegen der Vorurteile, ihre Krankheit anzuerkennen", sagt Professor Richard Warner aus Boulder (US-Staat Colorado) auf einem Kongress in Leipzig. Der Vorsitzende des Anti-Stigma-Komitees der World Psychiatric Association (Weltpsychiatrische Vereinigung/WPA) zitiert eine neue US-Studie, nach der in zehn Prozent der amerikanischen TV- Sendungen die Figur eines psychisch Kranken vorkommt. "Von diesen zehn Prozent erscheinen rund 70 Prozent als gewalttätig und 20 Prozent als Mörder." Das hinterlasse Spuren in den Köpfen der Zuschauer, sagte der Vorsitzende."Vorurteile gegen psychisch Kranke sind wirklich schlimm", sagt eine Leipzigerin aus eigener leidvoller Erfahrung. Ihren Namen möchte die Frau, die sich im Verein "Durchblick - Psychiatriebetroffeneninitiative" engagiert, deshalb nicht in der Zeitung sehen. Bei Norman Sartorius, dem Initiator des weltweiten Programms zum Abbau von Stigma und Diskriminierung und Ex- Präsidenten der WPA, stößt dieser Wunsch auf vollstes Verständnis. "Viele haben Angst vor psychisch Kranken und denken, diese seien gefährlich oder faul", sagt der Professor. "Falsche Vorurteile belasten Patienten und deren Angehörige sehr." An Schizophrenie beispielsweise leidet weltweit rund ein Prozent der Bevölkerung, allein in Deutschland entwickeln rund 800 000 Menschen im Laufe ihres Lebens eine schizophrene Störung. Gesellschaftliche Vorurteile gegenüber psychisch Kranken erschweren nach Ansicht der WPA häufig die Behandlung. Bei den 260 Experten einer internationalen Psychiatrie-Konferenz in Leipzig, die am Sonntag zu Ende ging, stand deswegen auch das Thema "Psychiatrie und Öffentlichkeit" auf der Tagesordnung.
1996 hat die WPA eine weltweite Kampagne gegen die Diskrimierung schizophrener Patienten initiiert, die bislang in Kanada, Spanien und Österreich Erfolge gezeigt hat. In Deutschland soll sie in den nächsten Monaten gestartet werden. "Betroffene kommen mit den Gesundheitsdiensten sowie Vertretern von Regierung und Industrie zusammen", erläutert Sartorius. ©dpa021021 Mai 00
Zwei kleine Mädchen brutal ermordet
Verbrechen eines Wahnsinnigen erschüttert Norwegen - Kein Hinweis auf den Täter und sein Motiv
Kopenhagen - In der südnorwegischen Kleinstadt Kristiansand standen Menschen weinend auf der Straße. Andere stellten Kerzen in die Fenster. Das Unfassbare war geschehen: In diesem idyllischen Städtchen, das weit über die Grenzen Norwegens für seine prachtvolle Natur und Ruhe bekannt ist, sind zwei kleine Mädchen ermordet worden. Noch nie zuvor in der Rechtsgeschichte des Landes wurden zwei Kinder gleichzeitig Opfer eines Wahnsinnigen.
Die achtjährige Stine Sofie Sörstönen und die zwei Jahre ältere Lena Slögedal Paulsen waren zu Besuch bei ihren Vätern, die sich in Kristiansand eine Wohnung teilen. Die Kinder kannten sich seit Jahren, besuchten ihre Väter immer gemeinsam und fühlten sich wie Geschwister.
Am Freitagnachmittag liefen die beiden Mädchen zu einem nahe gelegenen Badesee. Von diesem kleinen Ausflug kehrten sie nicht zurück. Erst suchten die Väter und ihre Freunde, dann alle Nachbarn. Um 23 Uhr wurde schließlich die Polizei alarmiert.
Das ganze Wochenende über waren Hilfsmannschaften mit insgesamt 500 Freiwilligen auf den Beinen. Am Sonntagnachmittag kam dann der erste Schock: Helfer fanden eine Plastiktüte mit Kinderkleidung. Kurz nach 20 Uhr wurden die Leichen entdeckt. Sie lagen in einem Wald nahe dem Badesee im Gestrüpp - nur 450 Meter vom Haus der beiden Väter entfernt.
Kripo-Chef Arne Pedersen kämpfte mit den Tränen. Immer wieder wischte er sich die Augen.
"Es war ein brutaler Doppelmord", soll einer der freiwilligen Helfer gesagt haben. Nahrung bekam das Gerücht, als der Polizeisprecher von Kristiansand die gefundene Kinderkleidung kommentierte. Arne Pedersen: "Was ich da sah, sah nicht gut aus." Dass es ein Sexualverbrechen war, wollte er nicht bestätigen. "Ich kann im Moment nichts sagen, wir müssen die technischen Untersuchungen und die Obduktion abwarten. Der Täter muss krank gewesen sein. Ein normaler Mensch kann so etwas nicht tun." (SAD)
Geiselnahme in Japan beendet - Kidnapper soll psychisch krank sein
Tokio (dpa) - Ein Sturmtrupp der japanischen Polizei hat am frühen Donnerstagmorgen ein blutiges Geiseldrama in einem Bus beendet und den erst 17-jährigen Kidnapper verhaftet. Alle neun weiblichen Geiseln, darunter ein sechsjähriges Mädchen, sowie der Fahrer wurden unverletzt befreit, berichtete das Fernsehen. Der scheinbar psychisch kranke Jugendliche hatte zuvor eine 68-jährige Geisel mit einem langen Küchenmesser tödlich verletzt. Er sei geständig, wollte sich jedoch nicht zu seinem Motiv äußern, hieß es im Fernsehen. Während er sich zur Stunde in einer Zelle ausruhe, werde seine Mutter verhört. Das sechsjährige Mädchen habe einen großen Schock erlitten und werde derzeit psychologisch in einem Krankenhaus betreut. Für die Kleine war es die erste Busfahrt allein. Sie war auf dem Weg zu ihren Großeltern. Laut Fernsehberichten wurde ihr Kidnapper in einer Nervenklinik behandelt und war am Tag der Geiselnahme vorübergehend nach Hause entlassen worden. Der Jugendliche hatte den Bus am Mittwoch auf dem Weg von Saga nach Fukuoka auf der südlichen Hauptinsel Kyushu während der Fahrt in seine Gewalt gebracht. Nach gut fünfzehnstündigem Nervenkrieg schlugen Beamte des mobilen Einsatzkommandos dann kurz nach 05.00 Uhr im Qualm von Rauchbomben die Fenster des Busses ein und stürmten blitzschnell in das Wageninnere. Der Bus hatte die Nacht über auf einem Parkplatz gestanden. In einer dramatischen Rettungsaktion wurden das Mädchen sowie die anderen Geiseln durch die Fenster in Sicherheit gebracht.©dpa040504 Mai 00
Polnische Mystikerin Maria Faustyna: von der Dienstmagd zur Heiligen
Von Eva Krafczyk, dpa =
Warschau/Krakau (dpa) - Das Wesen einer Mystikerin schien der polnischen Schwester Maria Faustyna nicht gerade in die Wiege gelegt: Am 25. August 1905 als Helena Kowalska geboren, schien dem dritten von zehn Kindern einer Bauernfamilie der übliche Weg eines ärmlichen Lebens vorgezeichnet. Die Schule besuchte sie nur drei Jahre, danach arbeitete sie in der elterlichen Landwirtschaft mit und musste vom 16. Lebensjahr an als Dienstmagd bei wohlhabenden Familien zum Einkommen ihrer Eltern beitragen. Doch die Bauerstochter, die mit 19 Jahren gegen den Willen ihres Elternhauses dem Orden der "Schwestern der Muttergottes der Barmherzigkeit" beitrat, wird vom Vatikan als "mystisch mit Gott vereint" beschrieben und am Sonntag von Papst Johannes Paul II. heilig gesprochen.
Zur ersten Heiligsprechung im Jubiläumsjahr der katholischen Kirche werden mehr als 150 000 Gläubige auf dem Petersplatz erwartet. Am Heiligtum der Barmherzigkeit Gottes im südpolnischen Krakau (Krakow), wo sich die Reliquien der neuen Heiligen befinden, werden etwa 200 000 Menschen über Videoleinwände die Heiligsprechung aus Rom verfolgen.
Fotoaufnahmen von der am 5. Oktober 1938 im Alter von nur 33 gestorbenen Nonne gibt es nicht. Doch während ein Gemälde sie als junge Frau im Ordensgewand mit klaren regelmäßigen Gesichtszügen, ernstem Blick und verhaltenem Lächeln zeigt, sollen ihre Mitschwestern Maria Faustyna, die in verschiedenen Ordenshäusern als Köchin, Gärtnerin und Pförtnerin arbeitete, nicht immer wohl gesonnen gewesen sein. Ihr Vorleben als Dienstmädchen und Ladenhilfe sorgte für gar nicht christliche Beleidigungen. Zeitgenossen beschrieben sie als klein, hässlich und sommersprossig und hielten sie für "verrückt", wenn sie behauptete, Jesus zu sehen.
Nachdem sie von ihren Visionen berichtet hatte, die sie auch in ihrem Tagebuch beschrieb, wurde Maria Faustyna zu Psychiatern geschickt, berichtete die polnische Zeitung "Gazeta Wyborcza" am Samstag in einem Bericht über das kurze Leben der Nonne. Zu Lebzeiten belächelt, sollte sie nach ihrem Tod zunächst schnell in Vergessenheit geraten. Erst Mitte der 60-er Jahre begann in Krakau unter dem damaligen Erzbischof Karol Wojtyla die Untersuchung ihres Lebens, 1968 wurde der Seligsprechungsprozess im Vatikan aufgenommen. Papst Johannes Paul II. sprach die polnische Ordensfrau im April 1993 schließlich selig.
Maria Faustyna gilt als einzige Mystikerin unter den polnischen Heiligen. Die von ihr gegründete Bewegung der Barmherzigkeit Gottes war bis 1978 vom Vatikan offiziell verboten, hatte aber in Kirchenkreisen weiterhin Anhänger. Als Papst Johannes Paul II. 1997 während seines damaligen Polenbesuchs das Heiligtum der Barmherzigkeit Gottes besuchte, bezeichnete er diese Form der Religiosität, die durch Vertrauen auf Gott und Nächstenliebe geprägt ist, als "Quelle der Hoffnung und der Inspiration", vor allem während der deutschen Besatzungszeit im Zweiten Weltkrieg.©dpa291311 Apr 00