Re: zu Siddartha (Buddha)
Geschrieben von Nina2 am 14. Februar 2001 20:04:59:
Als Antwort auf: Re: zu Siddartha (Buddha) geschrieben von Ahmet am 13. Februar 2001 19:28:28:
Hallo Ahmet,
>Das Siddartha nicht die 10 Gebote predigte, das ist ja klar, weil ein anderes Bild von Problemen in seiner Gegend herrschte. Und das wichtigste Gebot des Buddhismus ist auch nicht die Nächstenliebe. Das wichtigste Gebot im Buddhismus war einst: "Du sollst dich vom Leiden lösen, indem Du das Selbst in dir erkennst und nicht nach dem Lebst, was ein Anderer dir predigt (Brahmanische Priester)".
Ja, da hast du recht. Ich habe das allerdings nicht als Gebot angesehen, sondern als Ziel des Buddhismus. Als "Gebote" habe ich eher die berühmten 5 Lehrsätze bzgl. der Verletzung von Lebewesen, dem sexuellen Fehlverhalten, dem Genuß von Drogen etc. angesehen. Wobei diese (trotz einiger Ähnlichkeiten) nicht mit den 10 Geboten des Christentums zu vergleichen sind. Diese (u. andere) Regeln sollten lediglich dazu beitragen, das oben genannte Ziel zu erreichen.
>Also hat Siddartha nicht eine Religion gründen wollen, sondern wollte eine durch Menschenhand entstandene, Leiden bringende, neue Religion verbieten.
Da kannst du auch recht haben. Die Frage ist aber, ob Religion grundsätzlich solche Leiden verursacht, oder diese u.U. auch mildern kann. Ich denke, dass man Religion nicht grundsätzlich verteufeln sollte. Es kommt allerdings auf die Inhalte einer bestimmten Religion an. Die Frage ist, ob und wie eine Religion eine sinnvolle Basis für die individuelle Persönlichkeitsentwicklung und das soziale Zusammenleben darstellen kann. Ich stimme dir zu, daß derzeit die meisten Religionen beides eher behindern.
Dabei hat er aber nicht die Grundlagen des Menschlichen Verhaltens (glaube an Gott, Nächstenliebe, Moral-Gebote) abgelehnt, sondern nur die neu eingeführten Lehren der brahmanischen Priesterkaste.
Meines Wissens hat er den Glauben an Gott zwar nicht abgelehnt, aber auch nicht gerade gefördert (die Frage, ob Gott existiert hat er ausweichend beantwortet). Und das ist schon ein wichtiger qualitativer Unterschied zu den meisten (anderen) Religionen. Sobald man Gesetze oder Gebote nämlich für gottgegeben erklärt, sind sie unumstößlich. Eigenverantwortung ist nicht mehr notwendig. Hauptsache, man hält sich an die Regeln. Das ermöglicht es einem sogar einen Haufen Schaden anzurichten, solange das eigene Verhalten den Gesetzen entspricht. Die Reflexion der Gebote gilt als Gotteslästerung und ist nicht gestattet. Daher begünstigt ein solches System auch die Entstehung einer Priesterkaste, die dann sozusagen als höchste Instanz den göttlichen Willen verwaltet.
Verstehe mich bitte nicht falsch. Ich habe nichts dagegen, dass jemand an Gott glaubt. Ich halte es lediglich für gefährlich Gesetzte oder Gebote als gottgegeben zu betrachten.
>>> *grins* Das sehen wir Atheisten aber anders! :-)).
>Was genau meinst Du da, was Atheisten anders sehen?
:-)). Wir wollen natürlich auf gar keinen Fall vor Gottes Gericht kommen :-)). Auch wenns in der Hölle wenigstens schön warm sein soll *lachlach*
>Es ist richtig, das der Mensch handeln muss und nicht Gott. Im Glauben an Gott geht es aber auch nicht darum, das Gott die Probleme löst, sondern, dass der Mensch sich selbst bleibt und sich nichts irdischem unterwirft (unter anderem).
Das verstehe ich jetzt ehrlich gesagt nicht so ganz. Liegt aber vermutlich daran, dass ich Gott eher als Instrument begreife, um den menschengemachten (irdischen) Machtstrukturen ein größeres Gewicht zu verleihen (Gottesgnadentum etc.). Auf jeden Fall beinhaltet der Glaube an Gott in der Regel, daß man sich einem höheren Wesen unterwirft. Warum braucht man einen Gott (ganz unabhängig davon, ob er nun irgendwo existiert oder nicht), wenn es darum geht, sich nicht zu unterwerfen. Wenn ich einfach ich selbst bleibe, tue was ich für richtig halte und die Verantwortung dafür übernehme, was hat das dann mit Gott zu tun? Der kommt da doch nicht vor, oder?
Das heisst, kein Mensch soll die Macht über seine Mitmenschen bekommen ausser Gott. Lies doch mal das Ziel Gottes (unterer Link).
Ja, aber wieso dann Gott?
>Als Atheistin hast Du doch bereits auf ein "Weltliches System" (Religion) verzichtet? Oder siehst Du das anders? Als Buddhistin würdest Du versuchen, dich von Weltlichen Systemen (Religionen) zu lösen.
Nun ja, nicht ganz. Wir leben ja nicht völlig isoliert. Als soziale Menschen leben wir immer innerhalb eines "weltlichen Systems". Egal, ob man es Religion, Demokratie, Marktwirtschaft oder wie auch immer nennt. Wichtig ist mir aber die Möglichkeit, meine (sozial geprägte) Meinung zu hinterfragen und wenn nötig zu ändern. Es kommt also nicht darauf an, keinen System anzugehören. Was wir brauchen ist ein flexibles, anpassungsfähiges System, dass in der Lage ist, neue Erfahrungen und Erkenntnisse (z.B. wissenschaftliche) zu integrieren. Schliesslich braucht man eine (ethische) Basis für das menschliche Zusammenleben.
>In Dir sehe ich einen Menschen, der sich für ein moralisches Leben entschieden hat, mit Empathievermögen auf seinen Nächsten zugehen kann. Wenn das so ist, dann bleib doch so, wie Du bist.
Danke, danke :-))). Ich bekomme ja richtig rote Ohren, bei soviel Lob. Übrigens habe ich nicht vor mich zu ändern. Ich habe nur versucht einen neuen Aspekt in die Diskussion einzubringen. Nämlich die Frage, ob Religion nicht doch wichtig für das menschliche Zusammenleben ist. Unabhängig davon, ob es nun einen Gott gibt oder nicht.
Auch wenn Du nicht an Gott glaubst, so denke ich, dass Du Gottes Weg folgst. Denn Gott warnt vor den Wölfen im Schafspelz, wenn Du weisst, was ich meine. Gott sieht in Dir den echten Gläubigen, denn Du gehst in seine Richtung, ohne an ihn zu glauben. Das hört sich vielleicht etwas merkwürdig an, ist aber eine Tatsache, wenn man bedenkt, dass es nicht auf die Religion ankommt, sondern auf jeden Einzelnen Menschen. Ja, es kommt auch nicht auf das religiöse Ritual an, sondern an deine Handlungen gegenüber deinem Nächsten (Gebote).
Nun ja, wollen wir mal hoffen, daß Gott (falls ich mich bezüglich seiner Existenz irre) das auch so sieht *lachlach*. Schließlich verstoße ich ohne das geringste bisschen schlechtes Gewissen gegen das erste (und damit wichtigste?) Gebot *grins*.
>Mit diesem Satz meinte ich nur, vor allen heiligen Schriften (Thora, Rigveda, Evangelien, Koran), die es gibt, gibt es einen gemeinsamen Ursprung. Diese existierten bereits, bevor diese Niedergeschrieben wurden in den Herzen der Menschen. Das sind die "Zehn Gebote". Also der Ursprung allen Glaubens.
Das glaube ich nicht. Einen gemeinsamen (teilweisen) Urspung der Schriften kann ich mir vorstellen. Auch, daß es grundlegende menschliche Bedürfnisse, Eigenschaften etc. gibt, halte ich nicht für abwegig. Ich glaube aber nicht, daß es sich hierbei um die 10 Gebote handelt. Dazu sind die Gebote in den einzelnen Religionen dann doch zu unterschiedlich. Die 10 Gebote stellen meiner Meinung nach lediglich (durchaus sinnvolle) Regeln des Zusammenlebens für den jüdisch-christlichen Kulturkreis dar.
Vielen Dank für deine Antwort und viele Grüsse,
Nina2
PS: du kennst dich wirklich verdammt gut in den religiösen Schriften aus!