Re: Die Zehn Gebote als Vorbeugung
Geschrieben von Tina am 06. April 2000 19:59:37:
Als Antwort auf: Re: Die Zehn Gebote als Vorbeugung geschrieben von Ahmet am 04. April 2000 17:40:23:
>Hallo Ahmet,
>Bei folgender Antwort habe ich etwas nicht ganz verstanden. Könntest Du mir bitte auf die Sprünge helfen? Ich schrieb:
>> >Eins wird nun sicher klarer. Das Gebot, "du sollst Vater und Mutter ehren"
>> >beinhaltet bereits auch dein vorgeschlagenes elftes Gebot ("du trägst deinen
>> >Kindern gegenüber Verantwortung", denn es braucht bekanntlich immer Zwei
>> >dazu, um Harmonie zu halten.
>Auf das hast Du geantwortet:
>> Jetzt interpretierst du aber selbst ganz schön was rein, was nicht dasteht.
>> Ist ja o.k., aber genau das, was die Kirchen seit paar tausend Jahren auch tun.
>Das mit den Kirchen verstehe ich, aber was meinst Du mit meinem "rein interpretieren"? Kann ja sein, dass ich etwas
>übersehe. Bitte schreib mir, was ich überdenken soll.
Wenn ich dich richtig verstanden habe, denkst du, daß man die Gebote so nehmen soll, wie sie sind (also ohne "Verfälschung" durch menschliche Interpretationen und Hinzufügungen). In dem Gebot steht aber weder was von den Pflichten der Eltern, noch etwas von Harmonie. Wäre man zynisch, könnte man auch sagen, daß die Kinder ihre Eltern ehren müssen, egal, was diese ihnen antun. Eltern habe also die uneingeschränkte Verfügungsmacht über ihre Kinder und Kinder die Pflicht auch dann ihre Eltern zu ehren, wenn sie geprügelt, vernachlässigt etc. werden. Das denke ich natürlich nicht, aber es wäre eine genauso logische Interpretation des Gebotes. Um wirklich nützlich zu sein, hätte "Gott" sich schon die Mühe machen müssen, auch die Sonderfälle auszuformulieren.
>> Menschen haben schon ziemlich ansehnliche kulturelle Leistungen hervorgebracht und ich finde, wir sollten uns da ruhig
>> selsbt etwas zutrauen und die Verantwortung übernehmen, anstatt uns auf ein höheres Wesen zu berufen.
>Dieses höhere Wesen hat uns doch berufen, ein Verantwortungsvolles Leben zu führen. Und wenn wir gehorchen, dann gehorchen wir doch unserem Herzen und damit auch unseren Mitmenschen. Mehr braucht es doch nicht. Wenn der Mensch das auch sonst, ohne an ein höheres Wesen zu glauben, hinkriegen kann, dann ist das ja auch gut. Das ist jedem freigestellt.
Ja, das ist halt Glaubenssache. Das möchte ich auch nicht angreifen. Ich versuche nur zu verstehen, warum die meisten Menschen sich lieber auf Gott berufen, anstatt an sich selbst oder an die Möglichkeiten die Menschheit zu glauben.
>> hat auch den Vorteil, daß ein Überdenken und notfalls verbessern von Regelungen und Gesetzen möglich wird. Stellt man
>> sie als von Gott gegeben dar, ist dies nicht möglich (also eigentlich auch eine sehr undemokratische Weltsicht), was meiner
>> Ansicht nach die Chancen zur Weiterentwicklung der Menschen einschränkt.
>Ist es wirklich undemokratisch, wenn Du selbst wählen kannst, was Du tun willst? Wenn es keine Herrscher in Menschengestallt gäbe, so wäre das für jeden Menschen möglich, Entscheidungen zu treffen, denn Gott hat jedem Menschen den Willen Gottes
>geoffenbart, hat es aber jedem frei gelassen, ob er dieses halten möchte. Und wer es halt nicht halten tut, der fühlt meiner Ansicht nach selber, was nicht gut war. Auch wenn es manchmal lange dauert, bis die Einsicht da ist, schmerzen tuts jedenfalls. Nun ich wünsche es Niemandem, aber man sollte mal sein eigenes Verhalten prüfen, wenn es mal im Herzen schmerzen sollte. Niemand ist perfekt, aber Einsicht ist der Weg.
Also ich fühle mich auch in meinen "ungläubigen Zustand" ganz wohl. Solange die menschlichen Herrscher demokratisch gewählt (also auch durch meinen Einflüss bestimmt) wurden, habe ich auch kein Problem damit. Ich wäre auch jederzeit bereit, selbst eine gewisse politische Verantwortung zu übernehmen. Und weil menschen und ihre religiösen Empfindungen nun mal verschieden sind, glaube ich auch nciht, daß die Gebote einer Religion für alle verbindlich sein sollten. Man muß vielmehr einen (menschlichen) Rahmen dafür schaffen, daß eine Verständigung auch unterschiedliche Ansichten und Lebensweisen hinweg möglich wird. Alle anderen Versuche haben bekanntlich in der Vergangenheit oft genug zum Gegenteil der von dir becshriebenen Harmonie geführt.
Viele Grüsse,
Tina