DER ISLAM, keine Religion im westlichen Sinne
Geschrieben von ramis am 08. April 2001 08:05:59:
Der Verstand
und die islamische ´Aqida
Will man den grundlegenden Unterschied des Islam zu anderen Ideologien
verstehen, so muß zunächst einmal eine Auseinandersetzung mit der
islamischen ´Aqida (Überzeugung) stattfinden, ehe man sich überhaupt aufs
Feld der praktischen Aspekte des Islam begibt.
Diese seit etwa 1400 Jahren bestehende Ideologie, die zweifelsohne eine
der größten Kulturen und Zivilisationen in der Menschheitsgeschichte
hervorgebracht hat, prägt nach wie vor das Leben von Millionen von
Menschen, welche ihre Konzepte zum Teil noch tragen: Als eine ´Aqida und
eine ihr entspringende umfassende Ordnung.
Obwohl weite Teile der islamischen Jurisprudenz im Zuge des
Imperialismus und der Säkularisierung der islamischen Welt von der
Kolonialzeit bis zum heutigen Tag weitgehend aus Staat und Gesellschaft
verbannt worden sind, bleibt der Islam für die meisten Menschen, und nicht
nur für die Muslime allein, die einzige Hoffnung, um sich von den Fesseln
einer heute fast alle Lebensbereiche der Menschen dominierenden
kapitalistischen Ideologie zu befreien.
Will man den Islam richtig verstehen und (er)leben, so ist eine vorurteilsfreie
und rationale Auseinandersetzung mit der islamischen ´Aqida
unumgänglich.
Seit den ersten Schuljahren wächst man mit der Ansicht auf, daß "Verstand"
bzw. "Denken" irgendwie mit "Logik" zu tun hat. Dies führt i.A. dazu, daß die
einfachsten Grundlagen menschlichen Denkens, bedingt durch die
Verwechslung beider Begriffe, keine scharfen Grundrisse annehmen
können. Das Bild über den Sinn unserer Existenz, welches sich die
Menschen dann ausmalen, bleibt für immer verschwommen.
Daher gilt es, dieses mächtige Werkzeug, das die Menschen besitzen,
nämlich den Verstand, zu definieren und die ihm von der qur´anischen
Offenbarung zugewiesene Rolle anhand einiger Beispiele aufzuzeigen.
Verstehen heißt begreifen, würde man sagen. Richtig!
Aber Verstehen heißt auch erkennen und urteilen können, d.h. denken!
Es ist unbestreitbar, daß ohne ein gesundes und ausgereiftes menschliches
Gehirn kein Denken möglich sein kann. Das Vorhandensein dieses
wichtigen Organs allein reicht jedoch nicht aus, um unsere Umgebung
(unmittelbare Realität) wahrzunehmen und zu beurteilen.
Unbestreitbar ist auch die Tatsache, daß ein blinder Mensch, der nie in
seinem Leben Farben gesehen hat, diese nicht erkennen kann. Wie sollte
er dies auch tun, wenn sie sich seiner visuellen Wahrnehmung entziehen?
Ein tauber Mensch, der nie im Leben ein Geräusch gehört hat, kann mit
Begriffen wie laut, leise oder Musik wohl nichts anfangen.
Ein Mensch, dessen Hautnerven beschädigt sind, kann sich die Hand
verbrennen, ohne jedoch irgendwelche Schmerzen zu verspüren. D.h. er
kann weder fühlen noch urteilen, ob beispielsweise irgendein Gegenstand
kalt oder warm ist.
Diese einfachen Beispiele zeigen, daß neben dem Gehirn zwei weitere und
zugleich wichtige Elemente - die 5 Sinne und die uns umgebende Realität -
vorhanden sein müssen, um verstehen, d.h. urteilen, zu können. Eine
weitere noch notwendige Komponente stellt das Vorhandensein bestimmter,
zumindest primärer Informationen über die uns umgebende Realität dar.
Unabhängig davon, ob sie durch Dritte oder durch die eigenen Erfahrungen
erlangt worden sind, sind sie jedoch unverzichtbar, wenn die Realität
begriffen bzw. verstanden werden soll.
Ein Mensch mit einem ausgereiften und gesunden Hirn, sowie intakten
Sinnen kann natürlich keinen Unterschied zwischen koreanischer und
chinesischer Schrift machen, solange er zuvor keine, wenn auch einfache,
Informationen über beide Schriftzeichen erworben hat.
Hat er dagegen vorher elementare Kenntnisse über beide Schriftzeichen
vermittelt bekommen, so kann er gewiß den Unterschied erkennen und sein
Urteil darüber fällen, welche Schrift die chinesische und welche die
koreanische ist. Daher wird vom Verstand nur dann gesprochen, wenn alle
4 Elemente gleichzeitig vorhanden sind:
Das gesunde, ausgereifte Hirn, die 5 Sinne, eine uns umgebende Realität
und die notwendigen Vorinformationen, die diese Realität erklären können.
Verstehen heißt auch denken. Aber wie?
Der Mensch nimmt die ihn umgebende Realität mit seinen Sinnen wahr,
also er "empfindet" sie. Diese Empfindung wird durch diese Sinne mittels
seiner Nerven ins Gehirn übertragen, wo ein "Vergleich" zwischen der eben
übertragenen Empfindung mit den im Nervenzentrum gespeicherten und
dieser Realität erklärenden Vorinformationen stattfindet, dann fällt er sein
Urteil über diese von ihm wahrgenommene Realität: er hat eben gedacht.
Dieser Denkprozeß ist die natürlichste Art und Weise, auf die der Mensch
seine Umgebung - Gegenstände und Ereignisse - sowohl wahrnehmen als
auch beurteilen (verstehen) kann.
Es ist der rationale Denkprozeß schlechthin, dessen Ergebnisse, was die
Existenz oder Nichtexistenz eines Gegenstandes angeht, zweifelsohne
eindeutig sind. Daher kann eine Verwechslung der Ratio mit der Logik,
deren Aussagen nicht immer realitätsbezogen sind, und die oft auf
Annahmen beruhen (auch wenn sie logisch richtig miteinander verknüpft
sind) für die ´Aqida einer Umma fatale Folgen haben.
Natürlich sind diese Denkprozesse in ihrer Komplexität von Mensch zu
Mensch unterschiedlich. Manche denken oberflächlich, wie jeder von uns
Durchschnittsmenschen es auch tut, manch andere denken eben
tiefgründiger, wie z.B. Wissenschaftler und Politiker.
Erstere begnügen sich mit relativ wenig Informationen, um sich eine eigene
Meinung (Urteil) zu bilden. Letztere aber, bedingt durch den Grad ihrer
Verantwortung und ihres Aufgabenbereichs, betrachten die Realität viel
gründlicher, wenn sie zu einem möglichst korrekten Urteil kommen wollen.
Die islamische ´Aqida verlangt nicht nur eine tiefgründige Denkweise mit
einer scharfen Analyse unserer Realität, sondern viel mehr als das.
Will man alle Fragen über unsere Existenz korrekt und überzeugend
beantworten, so ist Luzidität im Denken erforderlich. Es genügt nicht, die
uns umgebende Realität tiefgründig zu beobachten und korrekt zu
beurteilen. Es muß auch über das "davor" und das "danach" nachgedacht
werden, wenn das Urteil eindeutig und richtig, d.h. überzeugend, sein soll.
Es ist notwendig, auf die stets aufgeworfene Frage nach dem Sinn
menschlicher Existenz: woher komme ich, warum bin ich hier und wohin
führt mich mein Schicksal?, eine überzeugende Antwort zu geben, damit
sich alle anderen in unserem Leben auftauchenden Zweigfragen
beantworten lassen.
Um diese essentielle Frage exakt beantworten zu können, ist das luzide,
d.h. die Dinge und ihre Umstände erhellende Denken gefragt, welches den
Menschen nur von einer vollkommenen Ideologie gegeben werden kann,
nämlich vom ISLAM und nur vom ihm alleine. Keine Religion oder
philosophische Denkschule der Welt konnte oder kann diese eben
gestellten Fragen umgehen, ohne wenigstens den Versuch zu wagen, eine
mehr oder weniger zufriedenstellende Antwort darauf zu geben.
Der Kapitalismus mit seiner säkulären Weltsicht konnte sie nach dem
Prinzip "gib dem Kaiser, was des Kaisers ist und Gott, was Gottes ist "
geschickt vermeiden und sie somit weitgehend der "Kirche" bzw. dem
privaten Bereich des einzelnen Individuums überlassen. Der Kommunismus
versuchte seinerseits vergeblich, die Utopie eines ausschließlich auf das
Materielle bezogenen "idealen" Menschen in einer "vollkommenen"
Gesellschaft zu verwirklichen. Die Früchte dieser beiden Ideologien konnten
und können sich bis in in unsere Tage sehen lassen. Die erstgenannte
noch siegreiche Ideologie setzt ihr Zerstörungswerk fort, ehe sie langsam
dahinsiecht. Dagegen ist letztere schon nach fast 70 Jahren ruinösen
Realsozialismus sang- und klanglos dahingeschieden, ohne daß ihr
irgendeiner heutzutage ein Tränchen nachzuweinen braucht.
Es wird oft gesagt, der Mensch lebt nicht nur vom Brot allein. Wie wahr!
Man lebt vor allem von Ideen, sollte man auch sagen können und dürfen.
Aber wie wertvoll kann eine Idee sein, wenn sie etweder mit der Realität
nicht übereinstimmt oder keine Akzeptanz beim Menschen findet? Genau
hier setzt die islamische Überzeugung (´Aqida) an. Eine Idee, die keine
Entsprechung in der Realität findet, ist entweder eine Utopie oder das
Produkt der eigenen Phantasie.
Das Leben eines Menschen beginnt nun mal mit seiner Geburt und endet
mit dem Tod. Es ist somit begrenzt. Der Mensch ist sowohl in seinen
Dimensionen als auch durch den von ihm gefüllten Raum begrenzt. Unser
Universum, das nichts anderes als eine "Sammlung" begrenzter Objekte
darstellt, ist auch somit begrenzt, unabhängig davon, wie groß die Anzahl
dieser Objekte auch sein mag. Sie bleibt zahlenmäßig endlich, sprich
begrenzt.
Diese 3 Elemente: Mensch, Leben und Universum, sind auch bedürftig, d.h.
sie können nicht unabhängig weiter bestehen. Um weiter bestehen zu
können, sind sie wohl auf "etwas" anderes angewiesen, das keine Materie
ist.
Dieses "etwas" kann auch nicht durch die Naturgesetze verkörpert werden.
Denn diese sind ebenfalls von diesem "etwas anderem", das sich unserer
Wahrnehmungs- und Vorstellungskraft entzieht, abhängig. Darüber hinaus
verlieren sie ihre Wirkung, sobald diese 3 Elemente verschwinden.
Demnach sind die Naturgesetze genauso begrenzt und bedürftig.
Da diese Elemente in ihrem Dasein und Fortbestehen, also in ihrer
Existenz, begrenzt und bedürftig sind, können sie konsequenterweise
weder von jeher noch bis in die Ewigkeit existieren. Folgerichtig müssen sie
einen Anfang und ein Ende haben, sie sind eben nicht ohne Anfang und
ohne Ende, d.h. sie sind nicht ???? . Mit anderen Worten: sie müssen
geschaffen worden und in ihrem Dasein von ihrem Schöpfer abhängig sein.
Die Frage, die hier aufgeworfen werden kann, betrifft die Herkunft dieses
Schöpfers.
Eine eindeutige Aussage darüber kann wohl gemacht werden.
Kann dieser Schöpfer selber erschaffen worden sein?
Nein! Denn ein "erschaffener Schöpfer" ist zwangsläufig von seinem
"eigentlichen Schöpfer" abhängig und ist somit zumindest in der Zeit
begrenzt. Das würde heissen, er ist auf seinen Urheber, ohne den er nicht
existieren kann, angewiesen. Deshalb schließt sich dieser Fall von selbst
aus.
Die zweite Möglichkeit, ob er sich selbst geschaffen haben könnte, ist
genauso absurd und läßt sich keinesfalls mit dem gesunden
Menschenverstand vereinbaren. Denn eine solche Möglichkeit birgt viele
Widersprüche in sich. Daher scheidet sie genauso aus.
Es bleibt nur die einzig vernünftige Erklärung, daß dieser Schöpfer keine
Eigenschaften mit seiner Schöpfung teilt. Er hat keinen Anfang und kein
Ende, er ist eben ????, Er ist auch nicht bedürftig und muß vollkommen
sein. Er ist Allah (swt), der immer da war, da ist, und für immer da sein wird.
Er ist Allah (swt), auf den alles Geschaffene, sei es sichtbar oder nicht, in
seinem Dasein und auch in seinem Fortbestehen angewiesen ist und immer
angewiesen sein wird.
Mit diesen einfachen Überlegungen wurde ganz rational die Existenz
unseres Schöpfers - Allah (swt) - bewiesen.
Allah (swt) sagt in Surat Ar-Ra´d (Aya 16):
(Sprich: Wer ist der Herr der Himmel und der Erde? Sprich: Allah.
Sprich: Nehmt ihr euch außer Ihm andere Beschützer, welche sich
weder nutzen noch schaden können? Sprich: Sind etwa der Blinde
und der Sehende gleich? Oder sind etwa die Finsternis und das Licht
gleich? Oder machten sie Allah andere Nebengötter, die etwas wie
seine Schöpfung erschufen, so daß beide Schöpfungen ihnen
ähnlich erscheinen? Sprich: Allah ist der Schöpfer eines jeden
Dinges und Er ist der Einzige, der Allbezwinger)