Re: zu den Beitraegen siehe unten
Geschrieben von Jack am 08. April 2000 04:18:55:
Als Antwort auf: zu den Beitraegen siehe unten geschrieben von huhngesicht am 07. April 2000 00:33:37:
>Mit trivial bezueglich der Gebote meine ich, dass sie selbstverstaendlich, nicht besonders ausgekluegelt ueberraschend sind. Wenn ich sie lese, denke ich nicht, meine Guete, wie durchdacht, da waere ich nie drauf gekommen (das gilt speziell fuer die zweiten fuenf ueber die ersten fuenf muesste ich nochmal nachdenken, da sie nicht eindeutig pragmatisch, sondern ideologisch behaftet sind (nagele mich hier nicht fest)). Muesste ich Regeln fuer das soziale Miteinander festlegen, kaemen sie in abgewandelter Form darin vor. Die soziale Logik verlangt danach.
Es ist eine Tatsache, dass sämtliche "alten" Religionen gesellschaftliche Grundwerte festgelegt haben. Und dies in früheren Zeiten häufig nicht zum Schaden eines Volkes. Und erstaunlicherweise beinhalten die meisten identische Regeln, mit regionalen Abänderungen.
Die religiösen Führer waren gleichzeitig auch weltliche Berater der Könige und Häuptlinge und sehr nah an den Bedürfnissen des Volkes. Ob es nun Ernährungsvorschriften, verbindende Riten und Feste oder die Aufforderungen zur gegenseitigen Achtung und Hilfe sind, zu dieser Zeit haben religiöse Regeln zumindest teilweise Gesetzesbücher und die Wissenschaft ersetzt.
Doch da sich die Menschen weiterentwickelt haben, veränderten sich ihre Bedürfnisse. Die Frage nach dem Tod ist nie so ganz beantwortet, aber wer würde heute z.B. zu Neptun beten? Ein Blick auf den Kompass löst die Probleme effektiver... So wurden viele unerklärliche Phänomene im Laufe der Zeit erklärbar, die Fragestellung an die Götter hat sich geändert. Aber die Notwendigeit einer sozialen Grundstruktur (im Gegensatz zu sozialen Normen) ist immer die gleiche geblieben, ebenso wie verschiedene Ängste und Sorgen.
Im Unterschied dazu befassen sich soziale Normen mit den erforderlichen Verhaltensweisen innerhalb einer Gemeinschaft. Dies kann auch ein Kegelclub sein... Sie sind daher nicht auf alle Bereiche des Lebens anwendbar, in der Uni gelten andere Normen als in einer DSA-Runde.
Die Gesetze sind an sich ja nichts anderes als eine klare Festlegung erlaubter und verbotener Handlungen bzw. Definitionen, wie z.B. die des "fahrlässigen Handelns" (Wer die im Verkehr erforderliche Sorgfalt ausser Acht lässt). Während das öffentliche Recht nur für die Obrigkeitsverhältnisse gilt, regelt das Privatrecht die Beziehung der Menschen untereinander. Demzufolge beinhalten Gesetze keine moralische Grundlage für eine Gesellschaft, denn demnach müsste niemand Wettschulden begleichen...
Vergleicht man nun den Wandel der Religion in den Jahrtausenden, ist auch die Ursache für abnehmende Begeisterung bzw. Ignoranz ersichtlich. Auch ich habe diesselben Grundsätze gelernt wie meine christlichen Mitschüler, aber das hat nichts mit unserer christlichen Gesellschaft zu tun, selbst in Saudi-Arabien wird Mord und Diebstahl geächtet. Durch den hohen Bildungsgrad bedarf es nicht mehr einer Lehre a "Wenn du dich nicht richtig verhälst, kommst du in die Hölle!", die meisten von uns haben den Sinn gewisser Regeln verstanden und halten sich auch so daran.
Zudem ist der letzte Eintrag in das neue Testament sehr, sehr lange her, vieles entspricht nicht mehr unserer Realität und hat an Bedeutung verloren. Was soll uns denn die Geschichte von Sodom und Gomorra noch sagen? Dass wir einfach Städte zerstören dürfen, weil die Bewohner böse sind? Nach den Erfahrungen seit den Weltkriegen, Vietnam, Kabul, Bagdad, Belgrad, ... sollten wir es besser wissen. So löst man keine Konflikte, auch wenn es immer wieder versucht wird. Ebenso würde niemand mehr an der Unantastbarkeit herrschender Hierarchien festhalten wollen, wir kennen genug negative Erfahrungen mit Diktatoren.
Es ist sicher kein Zufall, dass sich viele Menschen anderen Religionen (meist generell als Sekten abgetan) zuwenden, denn sie wollen auf aktuelle Fragen und Probleme Antworten bekommen und haben sie in den grossen Kirchen nicht gefunden. Wenn es nun die Zeugen Jehovas sind, wieso nicht? Die alten Religionen haben sich zu sehr hinter ihrer "Vollkommenheit" (sorry!) verschanzt und lange Zeit an längst überfällige Thesen festgehalten, um die weiterhin gültigen Normen zu vermitteln. Die katholische Kirche hat z.B. meines Erachtens noch vieles von dem vergangener Jahrhunderte an sich, auch wenn sie viele "Irrtümer" (Hexenverbrennungen, Sklaverei, Kriege) inzwischen ablehnt.
Jack