Re: Was gibst Du als Antwort, wenn dich jemand fragt....

Ursprünge der Religionen

Geschrieben von huhngesicht am 11. April 2000 22:59:41:

Als Antwort auf: Re: Was gibst Du als Antwort, wenn dich jemand fragt.... geschrieben von Frank am 11. April 2000 15:16:04:

Hi Frank, (Ahmet, Frank und ich kennen uns schon recht lange, wundere Dich also nicht, dass Ton und Wortwahl etwas weniger verbindlich sind),
das gibst Du falsch wieder. Wir haben uns bewusst nicht festgelegt, aber sehr wohl verschiedene Moeglichkeiten diskutiert (da ist nichts peinliches dran, wenn ich nicht wirklich glaube, kann ich nur Moeglichkeiten eroertern, etwas anderes waere peinlich).
Die Herrlichkeit der Natur war dabei. Ebenso die Besonderheit des Bewusstseins.
Dass ausgerechnet ein Ohnmachtsgefuehl ("ich bin nicht Gott", "Gott ist eine Macht groesser als ich, so z.B die Macht einer Gruppe") zum Glauben fuehrt, kann man sicherlich unterschiedlich bewerten. Ich finde, der Teil mit der Gruppe macht fast einen gefaehrlichen Eindruck. Jemand der einer Sekte beigetreten ist, wuerde diese Worte waehlen. Damit komme ich "zu so tun als ob". Gerade das moechte ich nicht, ich koennte es. Ich will "wuerdig" glauben. Ich will eben nicht pseudo-glauben, weil es mir schlecht geht (gerade das hast Du besonders gern, als minderwertige Ursache verurteilt) oder mich dazu zwingen. Ich glaube, wir haben Data voellig anders verstanden. Ich wuensche mir einen Glauben aus sich selbst heraus, der die Vernunft und die Naturgesetze nicht vergewaltigt (Ahmets Sicht ist hilfreich dabei).
Die Erkenntnis, dass andere Dinge, soziale Gefuege, unberechenbare Ereignisse im Leben, meinetwegen die Natur maechtiger sind als ich ist nicht nur naheliegend sondern unuebersehbar. Dies gilt im Guten wie im Schlechten (das ist weder neu (mich wundert, dass Dir das nach unseren Gespraechen so vorkommt) noch verstehe ich, inwiefern sie die Gratueberschreitung zwischen Inbetrachtziehen von Gott als hoehere Macht und dem Glauben rechtfertigt.
Sollte dies nicht nur ein durch einen "beliebigen" aeusseren Anlass (Du weisst schon, wie Nahtodeserlebnis, etc) motivierte Glauben sein, wie es mir aufgrund Deiner Aussagen scheint, erklaere es mir bitte.

Huhngesicht

>Hallo Huhngesicht! Hallo Ahmet!
>Ist ne interessante Seite hier.
>Die Antwort auf die Frage, ob ich an Gott glaube fällt mir einigermaßen schwer.
>Ich persönlich tue das seit einiger Zeit. Von Huhngesicht weiss ich das er das als erstrebenswerten Zustand ansieht. Gläubige Katholiken und die Sicherheit die sie aus ihrem Glauben ziehen usw. Diese Sicherheit kann ich da mittlerweile auch draus ziehen, an dem einen Tag besser als an dem anderen.
>Diskussionen über das Thema hab ich Abende lang in Bierkellern gehabt, ich kam letztlich zu dem Schluß, das es keinen logischen Grund gäbe an einen Gott zu Glauben oder auch nicht, wie auch immer er beschaffen sei.
>Ich denke mittlerweile, das hier ein logischer Fehler liegt. Der Fehler liegt meiner Meinung nach darin, das wir zwar zu dem richtigen Schluß kamen es gebe keinen Grund an "Gott, was auch immer das sei" zu glauben. Wir haben aber das "was auch immer es sei" nicht definiert. Für logisch ambitionierte Naturwissenschaftler wie uns eigentlich peinlich. Die Aussage lautet wohl verkürzt: Es gibt keinen Grund, an es zu glauben. An was? Hmm, keine Ahnung.


>Ich habe mir mittlerweile eine eigene Vorstellung von Gott gemacht, so wie ich ihn verstehe. Es gibt eine Sache, die ich mit Sicherheit über Gott, wie ich ihn verstehe machen kann: Ich bin es nicht! Trivial, ja, vielleicht, aber hilfreich.
>Für mich ist Gott eine Macht, die größer ist als ich selbst. Daran kann ich glauben. Eine Gemeinschaft von Menschen ist z.B. größer als ich selbst.
>Die Tatsache, das aus demselben Zeug, das hier in einer Mordswasserstoffbombenexplosion hochgeht dort Leute entstehen mit Humor und Interesse an sich selbst und anderen hat für mich was göttliches. Es gibt da massenhaft Beispiele, die mich auch einen Sinn in einem Glauben und sogar an einem gottgefälligen Leben sehen lassen.
>Für mich ist es eine Tatsache, das ich glauben wollte, Stossgebete zum Himmel zu allen möglichen Gelegenheiten beweisen das. Ich hab irgendwann mal vor der Frage gestanden (im Wortsinne) wie meine Vorstellung von Gott sei und musste feststellen, das ich gar keine hatte. Das war erst erschreckend (siehe die Diskussionen im Bierkeller), es war aber mit einem mal Raum für eine eigene Vorstellung da. In dem Moment, als ich meine Vorstellung gefunden habe, völlig unvollständig aber nicht mehr allmächtig und ausserhalb der Natur(gesetze) stehend, konnte ich an ihn/es/sie glauben.
>Und mich auch anvertrauen. Ob ich das nun Instinkt oder göttlichen Rat nenne, na ja.
>Was übrigens auch funktioniert, ist so zu tun als ob. Wie Warf zu Data sagte, einen Sprung in den Glauben machen.
>An eine Religion glaube ich übrigens nicht. Und ob ich an irgendeine vorgegebene Vorstellung von einem Gott glaube, kann ich auch nicht sagen, ich glaube halt an eine Macht, größer als ich selbst, so wie ich sie verstehe.
>Tja, reicht erst mal
>Gruß Frank





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