Für die deutschen Neonazis markiert der 11. September 2001 einen Freudentag
Geschrieben von Ulrich Sander am 19. Oktober 2001 17:11:52:
unsere zeit - Zeitung der DKP 28. September 2001
Der 11. September - Freudentag für Rechtsextreme
Neonazis jubeln
Für die deutschen Neonazis markiert der 11. September 2001 einen Freudentag.
Die Anschläge von New York und Washington seien "ein Befreiungskrieg", sie seien "eminent wirksam und deshalb rechtens." So Horst Mahler von der NPD, der in New York das Zentrum des Judentums ausgemacht hat, das jetzt militärischen Angriffen ausgesetzt ist. "Wollt ihr den totalen Krieg?" rief unter Beifall der Neonazis der Führer der Freien Kameradschaften Christian Worch in Frankfurt an der Oder. Mit Hetzparolen gegen die Juden, die USA und Israel wurde die KZ-Gedenkstätte Dachau bei München beschmiert. "Schöne Bilder, wirklich sehr schöne Bilder", wird in rechtsgerichteten Internet-Chats angesichts des brennenden World Trade Centers gejubelt. Die DVU thematisiert bereits vieldeutig Anschläge gegen Juden auch in Deutschland, rät jedoch davon ab, weil dies eine antideutsche Hetze auslösen könnte.
Von einem "kriegerischen Befreiungsschlag der freien Welt gegen die imperialistische Politik der USA und ihrer Verbündeten" spricht die NPD in einer in Lübeck verbreiteten Erklärung. Dass es zivile Opfer gab, wird als "Kollateralschaden" bezeichnet.
Nicht nur die "längst überfällige Befreiungsaktion gegen die USA" und die "zionistische Oligarchie", so das "Bündnis Rechts" der norddeutschen "Freien Kameradschaften" löst bei Neonazis Zufriedenheit aus. Auch das Streichen von 40 Millionen DM Haushaltsmitteln für den Kampf gegen Rechtsextremismus (vgl. Frankfurter Rundschau vom 24. September) und das Anheizen der staatlichen Fremdenfeindlichkeit mittels regierungsamtlicher Maßnahmen der "inneren Sicherheit" dürften Neonazis erfreuen. Sie nehmen diese Maßnahmen zum Anlass, noch manche Forderung drauf zu satteln: Die NPD Schleswig-Holstein sieht in der "islamischen Welt einen natürlichen Bündnispartner", dem allerdings nur "außenpolitisch unsere volle Unterstützung" gehöre. Das deutsche Volk werde seinen "Freiheitskampf selbst nur dann effektiv führen können, wenn es zu seiner nationalen Identität und völkisch geprägten Kultur in einer ethnisch homogenen Gemeinschaft zurückfindet." Und deshalb wird in einem Aktionsprogramm die "konsequente Rückführung aller auf deutschem Boden lebenden Bürger außereuropäischer Herkunft in ihre Heimatländer innerhalb der nächsten 100 Tage" gefordert. Die Politiker und Beamten, die an der "Massenzuwanderung" und an der "Islamisierung auf deutschem Boden" Verantwortung tragen, seien zu entlassen und notfalls in Haft zu nehmen.
Dass das Vereinsrecht zu Ungunsten ausländischer Mitbürgerinnen und Mitbürger geändert werden soll, reicht der NPD noch nicht aus. In ihrem Lübecker Aktionsprogramm vom 18. September wird die Bestrafung aller Personen verlangt, die Ausländervereinigungen nicht schon lange als "terroristische und kriminelle Vereinigungen" verboten haben.
In diesem Zusammenhang wird von antifaschistischen Beobachtern auf zweierlei hingewiesen: Auf die Rücksichtnahme der Behörden beim Umgang mit vereinsrechtlich verbotenen Neonazi-Organisationen und auf die schon seit langem geschürte, öffentlich geduldete Kriegshysterie, der Neonazis und Nazis gegen das "jüdische Zentrum" USA. Organisationen wie FAP, NO und andere brauchen sich nach ihrem Verbot nur in NPD-Jugend und Freie Kameradschaften oder Nationaler Widerstand umzubenennen, um mit Segen der Polizei und der Gerichte durch die Straßen deutscher Städte marschieren zu dürfen. Einige der Anführer der alten wie neuen Vereinigungen gehörten zur gewalttätigen Anti-Antifa, die mit den Schwarzen Listen "Einblick" Terror und Gewalt androhten. Doch die Polizei wiegelte ab. Dann kam es in ganz großem Stil zur Propagierung genau jener Form des Terrors, die in den USA sechstausend Todesopfer verlangte.
Es gab jedoch nicht nur Gemeinsamkeiten im Geiste mit den Terroristen von Washington und Manhattan. Auf der Homepage des NPD-Kreisverbandes Hannover gab es Verweise zu Hamas und Taliban. Die VVN-BdA erfuhr, dass auf der Mailingliste der NPD Hannover im Frühjahr 2001 der Name eines der drei angeblich aus Hamburg kommenden Attentäter auftauchte.
Ulrich Sander
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