Bin ich abhängig vom Essen?

Die Ewige Religion

Geschrieben von Siegfried am 13. Januar 2002 18:01:40:

Die Mönche des Mittelalters meinten, sie müssten asketisch leben, um Gott zu gefallen. Die Bibel verkündet jedoch keine Religion der Entsagung, sondern der Lebensfreude. Schließlich hat Gott uns Geschmacksnerven geschenkt und die Nahrungsmittel mit Farben, Geschmacks-, Aroma- und Duftstoffen versehen. Laut Salomo sollen wir uns deshalb am Essen erfreuen – das ist ein Geschenk Gottes an uns (Pred 5,17-19).

Hier hilft die Einstellung: Vollkommen ist nur einer – Gott! Wir Menschen werden immer fehlerhaft sein, unvollkommen aussehen und altern. Erst wenn Jesus wiederkommt, erhalten wir einen vollkommenen Körper (1 Kor 15,42-44). Auch dieses Wissen entkrampft uns, und das ist wichtig. Unser selbstgesetzter Zwang macht uns krank. Wer ständig meint, er müsse aber ..., wird nie ein froher, freier Mensch werden, der unbeschwert das Leben genießen kann.

Der Gottesdienst der Israeliten war oft vom fröhlichen Essen umrahmt (vgl. Neh 8,8-12). Im Alten Testament war Fasten eine freiwillige Angelegenheit. Die Fastengebote der Juden zur Zeit Jesu und das asketische Leben christlicher Mönche gingen eher auf griechische Einflüsse zurück. Die griechische Lehre von der unsterblichen Seele wertet ja den Körper ab. Deshalb betrachteten die Christen ihn wegen seiner Vergänglichkeit als minderwertig und wegen seiner Triebe als böse. Damit verdammten sie etwas, das Gott geschaffen hatte. Der Ess- und Sexualtrieb sind ein Geschenk Gottes an uns (Pred 9,5-10).

Problematisch wird es nicht nur, wenn wir Gottes Geschenke als böse bezeichnen, sondern auch, wenn wir sie missbrauchen. Der Mensch neigt immer wieder dazu, in Extreme abzugleiten, die sich rechts und links seines Lebensweges auftun. So schaden wir uns selbst, wenn wir unmäßig werden. Hier brauchen wir die Hilfe Gottes. Er schenkt uns durch den Heiligen Geist auch die Kraft zur Selbstbeherrschung (Gal 5,22 – „Keuschheit", wörtlich „Enthaltsamkeit, Selbstbeherrschung"). – Es befreit aber auch von falschen Schuldgefühlen, wenn wir wissen, dass Essen uns Freude machen soll.





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