Re: Probleme bei der Übersetzung des Koran - Probleme beim Verstehen des Koran
Geschrieben von Richard am 15. September 2004 12:57:59:
Als Antwort auf: Probleme bei der Übersetzung des Koran - Probleme beim Verstehen des Koran geschrieben von nour iman am 14. September 2004 09:45:56:
>Es gibt teilweise unterschiedliche, aus muslimischer Sicht nicht immer ganz zufriedenstellende Übersetzungen des arabischen Koran-Originals.
Das ist sehr nett gesagt - natürlich unter Weglassung des Wesentlichen.
1) Als Mohammed starb, war die Niederschrift seiner Offenbarungen noch nicht beendet. Der 'Rest' wurde dann nach mündlicher Überlieferung fertiggestellt. Ganz fertig ist der Koran natürlich nicht geworden, siehe Sure 19.
2) Da die Niederschrift nicht von Mohammed selbst verfertigt wurde, bleibt die Frage offen, ob Mohammed selbst denn überhaupt des Schreibens und Lesens mächtig war. Es könnte natürlich auch so gewesen sein, daß ein vielbeschäftigter Mann wie er (Handelsherr, Clan-Oberhaupt, Kriegsherr) sich nicht die Zeit für diese aufwendige Arbeit nehmen konnte.
3) Mit großer Wahrscheinlichkeit war die Alltagssprache Mohammeds nicht das Arabische sondern eher das Aramäische. Jene Sprache also, in der auch Jesus sich verständigte. Woraus erhellt, warum Mohammed die Juden als die Besitzer der Heiligen Schrift betitelte - er konnte sie ja problemlos lesen! Damit erhellt sich auch die hier am Forum dargestellte Geschichte zum Ehebruch von Juden - die Passage mit der Steinigung war problemlos lesbar!
4) Die Niederschrift des Koran durch Dritte könnte also auch den Grund gehabt haben, daß Mohammed des arabischen Dialektes seiner Zeit und seiner Gegend nicht mächtig war (vielleicht auch nur nicht in dessen Schriftform) und dies daher lieber durch Fachleute besorgen lassen wollte. Das 'koranische Arabisch' ist auch für gebildete Araber heute nicht mehr ohne weiteres lesbar, es haben sich aber über die Jahrhunderte viele Kommentatoren mit der Auslegung beschäftigt. Angeblich ist dadurch sichergestellt, daß die Glaubensinhalte mit den Intentionen Mohammeds (und damit - nach islamischem Glauben - auch Gottes selbst) übereinstimmen.
4) Das Wesentliche: Der weit verbreitete Glaube, daß Gott dem Propheten Mohammed sozusagen direkt in die Feder diktierte ist definitiv falsch. Zwischen Erlebnis und Niederschrift befinden sich Jahre und Personen.