weil sie und alle es duerfen gemaess Koran

Die Ewige Religion

Geschrieben von nour iman am 12. Februar 2005 00:35:

Als Antwort auf: Warum essen Muslime Hasen? geschrieben von Ahmet am 09. Februar 2005 18:36:07:

der friede sei mit dir ahmet,

deine gedanken gefallen mir teilweise und da denke ich, dass wir gemaess sunna des propheten (s.a.s.) bzw. gemaess brauch von jesus (soweit der bibel zu entnehmen) uns vielleicht doch mit dem friedensgruss begruessen sollten. was meinst du?

>Wenn jemand um ca. 600 n. Chr. vor Dir steht, und folgende Suren rezitiert, was verstehst Du dann unter dem Wort "Buch" oder "Schrift"? Bedenke dabei, dass der Koran noch nicht als Buchform existent war.
[...]

das stimmt. der Koran lag als vollstaendiges buch sicher erst am ende des lebens des propheten (s.a.s.) vor, nachdem alle verse (arabisch ayat, was auf deutsch auch wunder bedeutet) offenbart waren. allerdings wurden die bereits herabgesandten fragmente in jedem ramadan von muhammed (s.a.s.) mit hilfe des erzengels gabriel geordnet, so dass schon vor abschluss des gesamtwerkes diverse surat (kapitel) vollstaendig fertig waren. einige hadithe zeugen davon. somit war also schon vor abschluss des gesamtwerkes klar, dass es sich um eine vollstaendige schrift, bzw. ein buch handeln wuerde, welches derzeit bruchstueckhaft herabkam.

auch zeigt ein blick ins arabische woerterbuch, dass die wurzel k t b eine ganze fuelle von woertern hervorbringt, die sich alle um schriftliches drehen, sei es "buch", "schreiben", "schreibtisch" usw.. die einzelnen fragmente wurden ja auch tatsaechlich nicht nur rezitiert und im gedaechtnis aufbewahrt, sondern eben auch von vielen menschen sofort schriftlich fixiert.

und sicher ist auch, dass viele verse direkten bezug auf vorangegangene schriften, bzw. buecher nehmen. man muss also nun genau den kontext beachten, will man sagen, dass sich der und der vers auf bibel oder Koran bezieht. manchmal wiederum geht es um eine allgemeine aussage ohne bezug auf eine spezielle schrift.

und was oftmals sehr hilfreich fuer das verstaendnis ist, ist das wissen um den hintergrund der entsprechenden offenbarung. und hierzu muss man sich die umfangreiche hadithliteratur ansehen. selbst heute ist ein grossteil der offenbarungsgeschichte (wenn nicht gar vollstaendig?) nachvollziehbar. warum ich das hier noch anfuege? nun, der Koran mag fuer einen aussenstehenden eine in sich geschlossene, mehr oder weniger verstaendliche, schrift sein. aber in seiner entstehung war er es eben nicht. jeder vers war eine antwort auf eine frage oder ein ereignis. liest man den Koran aber losgeloest von diesem hintergrund, ergibt sich natuerlich meist ein anderes verstaendnis. ich gebe dir mal ein beispiel: Dschabir Ibn `Abdillah Al-Ansariy, Allahs Wohlgefallen auf beiden, berichtete: Der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Heil auf ihm, sagte, indem er von der Zeit erzählte, in der der Empfang von weiteren Offenbarungen für eine Weile einen Stillstand erlebte: "Als ich unterwegs war, hörte ich eine Stimme vom Himmel; ich hob meinen Kopf nach oben und sah, daß der Engel, der mir in der Berghöhle von Hira´ erschien, auf einem Sitz zwischen dem Himmel und der Erde saß. Ich erschrak vor ihm sehr, kehrte zurück und sagte: 'Hüllt mich ein! Hüllt mich ein!' So hüllten sie mich ein. Darauf sandte Allah, Erhaben und Mächtig sei Er, folgende Worte herab: Du, der Zugedeckte! Stehe auf und warne! Und deinen Herrn, verherrliche, Und deine Gewänder, reinige, Und das Schmutzige (gemeint ist die Abgötter), entferne dich davon! Danach ging es mit der Offenbarung ohne Unterbrechung weiter." (nach muslim) ohne diesen hadith ergibt der satz "Du, der Zugedeckte!" doch nur wenig sinn. es ist laengst nicht das beste beispiel, das gebe ich zu, nur ist es anschaulich genug, denke ich.

>Das zeigt doch, dass Gläubige sich auch an die vorangegangene Thora und die Evangelien zu halten haben? Das gilt auch für die Speisegebote. Oder nicht?

was die verse 2;174 bis 2;176 betrifft, sollte man hinzufuegen, dass sie im zusammenhang mit vorangehenden und nachfolgenden zu sehen sind (wie sowas prinzipiel immer laufen sollte: kontextbezogene auseinandersetzung). denn die speisevorschriften beginnen bei 2;172 und richten sich hier direkt an die dies vernehmenden glaeubigen: O ihr, die ihr glaubt, esset von den guten Dingen, die Wir euch bereitet haben, und seid Allah dankbar, wenn ihr Ihm allein dient. es ist eine allgemeine aufforderung ohne ruecksicht auf religionszugehoerigkeit, wie du es nennst "marke". der darauffolgende vers (2;173) geht an die selbe zielgruppe: Verboten hat Er euch nur (den Genuß von) natürlich Verendetem, Blut, Schweinefleisch und dem, worüber etwas anderes als Allah angerufen worden ist. Wenn aber jemand (dazu) gezwungen ist, ohne (es) zu begehren und ohne das Maß zu überschreiten, so trifft ihn keine Schuld; wahrlich, Allah ist Allverzeihend, Barmherzig. hier ist zu bemerken, dass dieses verbot innerhalb dieser offenbarung steht und offensichtlich erstmal keine ruecksicht auf irgendeine andere zuvor herabgesandte schrift nimmt. es ist jedenfalls kein direkter bezug erkennbar. somit ist fuer einen glaeubigen dieser zeit dieses verbot erst einmal bindend.

dabei spielt es ja auch tatsaechlich keine grosse rolle, was Gott von den menschen zuvor verlangte und ob dieses sich von dem neuen unterschied. manche menschen sagen, dass Gott vollkommen ist und von anfang an seinen sich nicht aendernden willen verkuendete. der gedanke scheint richtig zu sein, wenn man annimmt, dass veraenderung ja irgendwo unvollkommenheit bedeutet, was man aber Gott nicht zuschreiben kann. nur liegt meines erachtens der fehler darin, dass man hier voraussetzt, den willen Gottes irgendwie zu kennen, was aber de facto nicht immer der fall ist. warum soll Gott in seiner erhabenheit von den menschen einer periode nicht anderes verlangen koennen, als von menschen anderer epochen? und warum soll das ueberhaupt eine veraenderung im willen Gottes sein, wenn Er doch sowieso von anfang an die menschen mit total unterschiedlichen voraussetzungen ausstattete. es gibt verschiedene geschlechter mit unterschiedlichen rechten und pflichten, es gibt unterschiedliche sprachen und ungleiche verteilung von guetern. man muss also annehmen, dass Gott einen sehr viel hoeheren plan hat, den wir nur nicht durchschauen, allenfalls aber erahnen koennen. laut Koran gehoeren diese unterschiede dazu, damit wir dadurch geprueft werden, wer das beste aus seiner situation macht. verstehst du? der wille Gottes ist es jedenfalls nicht - und das bestaetigt der Koran - dass alle menschen in gleichen verhaeltnissen leben. das ist zwar etwas, was viele menschen als ideal ansehen und dem entgegenstreben, aber es ist eben nicht natuerlich. denn welche entwicklung gaebe es da noch?!? entwicklung ist doch eine folge von druck, sei es sozialer, psychologischer, wirtschaftlicher oder oekologischer, das ist egal, auf jeden fall eine folge von unterschieden.

ok, bevor ich zu sehr abschweife, sollte ich bei vers 2;174 fortsetzen. dieser vers richtet sich offensichtlich ganz allgemein an die angehoerigen der unterschiedlichen (schrift-)religionen: Diejenigen, die verbergen, was Gott von dem Buch herabgesandt hat, und es um einen geringen Preis verkaufen, diese verzehren in ihren Bäuchen nichts als Feuer. Und Gott wird zu ihnen am Tage der Auferstehung weder sprechen noch wird Er sie läutern; und ihnen wird eine schmerzliche Strafe zuteil sein. es ist keine direkte rede mehr von den "glaeubigen", denn glaeubig kann man evtl. auch ohne heilige schrift sein. nein, es geht hier um die schriftbesitzer (im allgemeinen) und zeigt auch schon ein problem dieser leute auf: das verdecken der goettlichen botschaften. dies kann auf verschiedenste art passieren: man uberbewertet zb. nebensaechlichkeiten und macht das wichtige zur nichtigkeit oder die schlimmste art, dass man die schrift gar absichtlich veraendert und dadurch verfaelscht. dies nun ist ein schwerer vorwurf, den man tunlichst lassen sollte, solange kein eindeutiger beweis vorliegt. vers 2;175 ist im selben licht zu betrachten, da er sich direkt auf diese im vers 2;174 erwaehnten leute bezieht: Sie sind es, die den Irrtum für die Rechtleitung erkauft haben und die Strafe für die Vergebung. Wie können sie dem Feuer gegenüber standhaft sein!
kommen wir nun zum naechsten vers (2;176): Dies geschieht darum, weil Gott das Buch mit der Wahrheit herabgesandt hat. Und diejenigen, die sich über das Buch streiten, befinden sich gewiß in großer Feindschaft. der bietet verschiedene moeglichkeiten zur interpretation. einerseits kann man annehmen, dass diejenigen gemeint sind, welche bereits einer der schriftreligionen angehoeren und sich gerne ueber die eine oder andere vorschrift ihrer jeweiligen schrift hinwegsetzen wuerden oder aber, dass die gemeint sind, die ebenfalls einer solchen religion angehoeren und nun aber sich ablehnend gegenueber der neuen schrift, in diesem fall der Koran, aeussern. welche interpretation richtig ist, weiss ich nun auch gerade nicht. zu fragen waere auch, ob die angesprochene feindschaft unter den menschen zu suchen ist oder ob die feindschaft gegenueber Gott gemeint ist (wobei, wenn man es genau betrachtet, das eine das andere bedingt.).
aus dem darauffolgenden vers (2;177) laesst sich aber wieder schliessen, dass es sich hier um eine ganz allgemeine bezugnahme auf die schriftbesitzer handelt: Es ist keine Frömmigkeit, wenn ihr eure Angesichter in Richtung Osten oder Westen wendet; Frömmigkeit ist vielmehr, daß man an Allah glaubt, den Jüngsten Tag, die Engel, das Buch und die Propheten und vom Besitz - obwohl man ihn liebt - den Verwandten gibt, den Waisen, den Armen, dem Sohn des Weges, den Bettlern und (für den Freikauf von) Sklaven, daß man das Gebet verrichtet und die Zakah entrichtet. Es sind diejenigen, die ihr Versprechen einhalten, wenn sie es gegeben haben; und diejenigen, die in Elend, Not und in Kriegszeiten geduldig sind; sie sind es, die wahrhaftig und gottesfürchtig sind. es ist eine beschreibung eines wahrhaft glaeubigen, scheinbar unabhaengig von der von ihm "gewaehlten" marke. aber seien wir ehrlich. kein angehoeriger einer religion ausser dem islam ist in der lage dieses komplett zu gewaehrleisten. ja selbst viele muslime scheitern daran.

aus dem bisher gesagten laesst sich keine fuer den muslim verbindliche vorschrift ableiten, die gebote von thora und evangelium einzuhalten. schaun wir mal, wie das mit den anderen von dir angegebenen versen aussieht.

>(Koran 5:1) O ihr, die ihr glaubt, erfüllt die Verträge. Erlaubt ist euch jede Art des Viehs, mit Ausnahme dessen, was euch (in der Schrift) bekanntgegeben wird;......

hier muss man sich nur die temporale form anschauen, um zu sehen, dass sich der vers nicht auf vergangenes bezieht.

>(Koran 5:5) Heute sind euch alle guten Dinge erlaubt. Und die Speise derer, denen die Schrift gegeben wurde, ist euch erlaubt, wie auch eure Speise ihnen erlaubt ist. Und ehrbare gläubige Frauen und ehrbare Frauen unter den Leuten, denen vor euch die Schrift gegeben wurde, wenn ihr......

auch hier ist die zeitform der anzeiger fuer deinen irrtum. denn mit herabsenden dieses verses wurden die alten speisevorschriften aufgehoben. von diesem zeitpunkt an ("heute"), durften die juden, waeren sie wahrhaft glaeubig (was sich durch ablehnung des propheten (s.a.s.) ins gegenteil wandte, siehe vers 2;177) alles essen, was den muslimen erlaubt ist. da die regeln fuer die "marke" judentum aber strenger waren, durften sebstverstaendlich die muslime auch die speise der juden zu sich nehmen.

>Natürlich war es so, dass die Pharisäer ihre Speisegebote mit weiteren Regeln erweiterten. Auf diese Regeln, die noch heute in der Talmud (einer Ergänzung bzw. einem Kommentar zur Thora) nachlesbar ist, kann man im Koran folgendes lesen:
>(Koran 6:146) Und den Juden haben Wir alles Getier untersagt, das Krallen hat; und von den Rindern und vom Kleinvieh haben Wir ihnen das Fett verboten, ausgenommen das, was an ihrem Rücken sitzt oder in den Eingeweiden oder mit den Knochen verwachsen ist. Damit haben Wir ihnen ihre Auflehnung vergolten. Und siehe, Wir sind Wahrhaftig.
>Und tatsächlich, in der Thora gibt es kein erweiterndes Gebote wie dieses.

sicher?

3.moses, kapitel 11, vers 3 und 4:
Alles, was gespaltene Klauen hat, ganz durchgespalten, und wiederkäut unter den Tieren, das dürft ihr essen. Nur diese dürft ihr nicht essen von dem, was wiederkäut und gespaltene Klauen hat: ...
3.moses, kapitel 7, vers 23:
Rede mit den Israeliten und sprich: Ihr sollt kein Fett essen von Stieren, Schafen und Ziegen.

oder meinst du eine andere thora?

>Ich persönlich sähe es dann für mich nicht richtig, unter "was mir offenbart worden ist", die Evangelien und die Thora zu ignorieren.

man kann sich das leben natuerlich auch unnoetig schwer machen und versuchen, alle jemals herabgesandten goettlichen vorschriften zu beachten. es kann ja sogar sein, dass Gott dir diese besondere und uebereifrige vorsicht auch besonders belohnt. doch eine wirkliche rechtfertigung findest du dafuer nicht im Koran, der letzten fuer alle menschheit gueltigen offenbarungsschrift.

>Sehe ich da etwas falsch? Dann bitte lass es mich wissen

islamisch betrachtet, siehst du es falsch.


frieden.
nour iman




Antworten:

Die Ewige Religion