Re: Ist ein muslimisches Europa möglich?
Geschrieben von Richard am 30. März 2005 23:50:
Als Antwort auf: Re: Ist ein muslimisches Europa möglich? geschrieben von Emilia am 30. März 2005 00:43:
>Hallo Richard!
>Zwar haben wir festgestellt, daß wir beide in Österreich leben, trotzdem
>kann ich Deine Meinung nicht teilen.
>Sprache kann ein Schlüssel zu Integration sein, aber Kommunikation beinhaltet
>mehr als nur eine (Leit)sprache.
** Ich meine, daß Sprachkenntnisse die Grundlage JEDER Art von Integration sind. Ohne relativ gute Sprachkenntnisse - in unserem Falle DEUTSCH - gibts überhaupt keine Integration.
** Liebe Emilia,
die (Leit)Sprache ist Dir nicht ganz zufällig rausgerutscht? Du implizierst damit zweierlei. Erstens, daß es sich beim Erlernen der Sprache der neuen Heimat um ein ideologisches Anliegen der Rechten im Lande handelt, schließlich war der Begriff der 'Leitkultur' ein lange strapziertes (rechtes) deutsches Thema. Und zweitens, daß die 'Leit'-Sprache nur eine unter vielen möglichen Sprachen wäre, es sich daher nicht einsehen läßt, warum man da auf Deutsch so besonderen Wert legen sollte.
>Das es in Ö bezügl. der Deutschkurse keine Proteste gab ist unrichtig.
>Ich denke an Vereine wie d. Wr.Integrationshaus, Zara, Echo, Sprachenrechte
>und auch an die Sendung Heimat - fremde Heimat, die d. gesetzl. Regelungen
>kritisierten.
** Naja, die üblichen Verdächtigen. Man ist grundsätzlich dagegen weils von 'dieser' Regierung kommt, denn von der kommt bezüglich 'Fremden' ja grundsätzlich nur Schlimmes? Die Antithese zu dieser Haltung wäre doch, daß man sich auch ohne Sprachkenntnisse gut integrieren kann?
** Integration ohne Sprachkenntnisse bedeutet die bewußte Schaffung von Prallelgesellschaften ohne Kontakte zur Hauptgesellschaft - äh Leitgesellschaft. Dann können wir, wie oben angedacht, für die muslimischen Bürger gleich die Scharia samt Dorfrichter einführen, die Ehrenmorde ungesühnt lassen, das Verprügeln von Ehefrauen und Kindern als 'Folklore' akzeptieren. Was geht es uns an, es passiert ja doch nur in einer Parallelgesellschaft?
>Bedenklich dabei sehe ich die Verwaltungspraxis dieser Kurse, denn
>"der Erfolg" wird von Beamten beurteilt, oft ohne Berücksichtigung der indivi-
>duellen Lebensumstände.
** Na, das seh ich aus zweierlei Gründen ganz anders. Erstens kann ich bei den Damen und Herren keinen großen Streß entdecken, die Geschichte scheint also recht locker abzulaufen. Zweitens müßte dann im gleichen ideologischen Aufwasch jede Schulnote 'bedenklich' sein, weil sie keine Rücksicht auf die Lebensumstände der Betroffenen nimmt - nur auf ihre Leistung.
>Von so einer pers. Beurteilung hängt eine Aufenthaltbewilligung bzw. eine
>Staatsbürgerschaft ab.
** Na, das will ich doch hoffen. Jene Leute, die hier Deutsch lernen *müssen*, das sind doch genau diejenigen, die freiwillig hier leben *wollen*, aus freien Stücken zugewandert sind - keine anerkannten Asylanten! Was, zum Teufel wollen die hier in diesem Land, wenn sie nicht willens sind, wenigstens die Sprache ihrer neuen Heimat zu lernen?
>Ich bin absolut für die Förderung v. Sprache, aber es gibt einen Unterschied
>zwischen kontrollieren u. selektieren oder fördern und ermutigen.
** Also das ist klar: Die aus der Türkei nachgeholten Frauen werden hier oft 'weggesperrt'. a) aus religiösen Gründen - sie dürfen nur mit Begleitung auf die Straße. b) aus taktischen Gründen; die Frauen sollen die gesellschaftliche Stellung ihrer Ehemänner nicht mitbekommen. c) Die Frauen sind bessere Haussklaven und die haben zu Hause zu werken und nicht freiwillig(!) einen nutzlosen Kurs zu besuchen, wo man eh nicht weiß, was denen da für christliche Flausen in den Kopf gesetzt werden. Und diese Frauen willst Du 'ermutigen', die deutsche Sprache zu lernen? Da werden Dich die Herren Paschas und Supermuslime aber fröhlich auslachen! Ohne Gesetz und ohne Sanktions-Androhung kriegst Du die Frauen nicht in einen Kurs. Und die Männer schon gar nicht.
** Naja, es bleibt ja eh noch die Masse der Illegalen, die nicht erfaßt und auch nicht in einen Kurs gebracht werden können. Das sind diejenigen, die in den Parallelgesellschaften (dürftigst bezahlte) Arbeit finden oder gar kriminell tätig sind. Deren Kinder manchmal auch nicht zur Schule geschickt werden.
>Integration ist ein vielschichtiger Prozess und die Dinge hängen oft miteinander zusammen. Da hilft auch kein Staatsbürgerk.-Unterricht, wenn
>die Rahmenbedingungen nicht stimmen.
** Nein, ich weiß aus eigener Erfahrung, wie schwer es ist, im fremden Land mit Einheimischen gut Freund zu werden. Ohne da in die Schule gegangen zu sein, ohne den kulturellen background zu haben. Dieser Schritt der Integration kann aber nicht ohne Sprachkenntnisse und ohne Kenntnisse der Gesetze der neuen Heimat angegangen werden. Sprache ist die Grundvoraussetzung zur Integration, nicht nur 'halt irgend eine Bedingung'.
>Ich arbeite selbst im integrationspädag. Bereich (mit Kindern) und kenne
>die Situationan den Schulen (speziell in Wien), die auf Grund von Sparmaßnahmen gute und bewährte pädag. Konzepte abgebaut haben,und jetzt völlig unzureichend auf Bedürfnisse und Entwicklungen eingehen.
** Naja, die neue Regierung hat in vieler Hinsicht das Sparen verordnet und nicht zuletzt durch gezielte Streichung von Förderungen für ideologisch mißliebige Vereine, Organisationen und Einrichtungen viel kaputtgemacht.
>Die fehlenden Sprachkenntnisse sind dabei nicht das einzige Problem.
** Natürlich nicht. Aber wenn man mit jemandem sprechen kann, dann kann man auch andere Probleme lösen, nicht wahr? Kommunikation ist primär Sprache. Wer das ORF-TV nicht sieht, weil er nicht versteht, was da gesprochen wird, sondern lieber bzw ausschließlich türkisches Satelliten-TV oder türkisches Kable-TV sieht, der bekommt einfach nicht mit, was hier passiert und was die Menschen bewegt. Mitbestimmung? Worüber denn? Wenn ich im klimatisierten Hilton-Zimmer in Sofia sitze und ZDF gucke, dann werd ich doch nicht wissen, was die aktuellen innenpolitischen Themen Bulgariens sind, oder?
>So wie Du die Unkenntnis muslim. Organisationen über mitteleurop. Demokratien
>kritisierst, halte ich Deine Aussage, "d. es in der Türkei kein Problem
>sein mag, wenn Ehefrau/Tochter mit gebrochenen Nasenbein im Spital auftaucht,"
>für sehr unreflektiert.
** Ehrlich gesagt, ich weiß es nicht. Ich habe auch geschrieben 'sein mag', das bedeutet: 'Konjunktiv'. Ich vermute halt, daß dort zum Lokalkolorit gehört, was Dir hier die Schwestern und Ärzte in jeder Notaufnahme bzw Unfall-Ambulanz eines Großstadtspitals erzählen können.
>Das Interesse u.d. Anteilnahme am politischen Geschehen eines Landes steigt
>mit der Mitbestimmung, auch eine Form des gegenseitigen Respekts.
>Grüße Emilia
** Freilich, doch um mitbestimmen zu können, muß man einmal wissen DASS man mitbestimmungsberechtigt ist und unter WELCHEN gesetzlichen Voraussetzungen und WIE man seine Mitbestimmung ausüben kann. Es ist uns aber nicht geholfen, wenn wir Parallelgesellschaften zur Mitbestimmung auffordern, dann haben wir solche Träumer wie jenen Imam(?) im Parlament, der - siehe oben - Europa im Auftrag seiner arabischen Geldgeber islamisieren will. Zuerst integrieren, dann mitbestimmen, nicht umgekehrt.
Gruß vom Richard