Von der Sinnlosigkeit Gottes

Die Ewige Religion

Geschrieben von AS am 29. November 2000 05:19:33:

Ein kleines philosophisches Problem: Viele Menschen glauben an Gott, weil sie einen absoluten Sinn für sich und die Welt suchen. Da die Frage nach dem Sinn der Welt und ihrer Entstehung so nicht beantwortbar ist, wird Gott zum Sinngeber und Erschaffer der Welt ernannt. Worin aber liegt der Sinn, daß es Gott gibt? Und wer hat Gott geschaffen? Anders formuliert: wenn Gott "aus sich heraus" existiert, was macht GOTT FÜR EINEN SINN? Für Gott würde sich also DAS GLEICHE PROBLEM ergeben, wie für den Menschen. Die Antwort der Gläubigen ist natürlich eine andere: Gott wurde nicht geschaffen, sondern existiert aus sich selbst heraus, Gott selbst ist der Sinn, da er absolut ist und nicht von jemand anders erschaffen wurde usw. usw. Seit ihr mir bis hier gefolgt? Jetzt kommt nämlich der Knackpunkt:

Wenn wir also sagen, Gott selbst ist der Sinn, Gott ist absolut, Gott wurde NICHT erschaffen, dann postulieren wir damit also die Möglichkeit, daß etwas (Gott) absolut und sinnvoll sein kann und aus sich selbst heraus existiert. Wenn wir dies aber für Gott annehmen, dann können wir es ebensogut für den Menschen und die Welt annehmen: die Welt ist absolut und aus sich heraus sinnvoll. Die Natur existiert aus sich selbst heraus. Damit brauchen wir Gott nicht mehr anzunehmen, denn die Annahme eines Gottes LÖST EBEN NICHT DAS PROBLEM, SONDERN VERLAGERT ES NUR:

1. Wir können nicht glauben, daß die Welt aus sich heraus existiert.
2. Daher nehmen wir an, Gott hat sie geschaffen.
3. Gott aber wurde nicht erschaffen, weil er aus sich selbst heraus existiert.
4. Wir können also glauben, daß etwas aus sich selbst heraus existiert.
5. Punkt 4. widerspricht aber Punkt 1.
6. Wir nehmen also für Gott etwas an, was wir für die Welt nicht annehmen
7. Dann können wir ebensogut annehmen, daß die Welt aus sich heraus existiert. Wir brauchen Gott in unserem Denkmodell nicht, weil mit seiner Annahme nichts erklärt wird, sondern das Problem (siehe punkt 1) einfach nur auf ihn verlagert wird.
7. Was haben wir also gewonnen, außer einer unlogischen Pseudoerklärung?

Die Antwort zu Punkt 7 ist einfach und banal: Gott hat den tollen Vorteil, daß man ihn seinen individuellen Bedürfnissen anpassen kann und daß er z.B. ewige Glückseligkeit verspricht, wenn man nett zum Nachbarn ist (Christen), sich lustige Hütchen auf den Kopf setzt (Juden), oder kein Schweinfleisch ißt (Islam). Ist Gott nicht unheimlich praktisch? Natürlich ist er das. Was ist also der SINN GOTTES? Uns ewiges Leben zu schenken. Gott entspringt also dem Egoismus des Menschen. Wer das bezweifelt, möge sich einmal folgendes Überlegen: Wozu ist Gott gut, wenn es keine Menschen gibt? Ein allwissendes, allmächtiges Wesen, daß im endlosen raum vor sich hin wabbert. Wozu? Hat Gott also die Welt erschaffen, damit man von ihm Kenntnis nimmt? Oder weil er sich zu Tode langweilt? Oder haben die Menschen nicht viel eher Gott geschaffen, damit sie eine perspektive jenseits des Todes haben?

Bis denn, AS




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