Re: Urchristentum?
Geschrieben von Pi am 30. September 2001 22:10:52:
Als Antwort auf: Re: Urchristentum? geschrieben von Ahmet am 10. September 2001 22:55:25:
Hi,
>>Es gibt halt keine Aufzeichnungen zur Lebenszeit Christi, und es ist auch nicht gerade viel überliefert....
Vielleicht nicht über Ihn selbst, aber Aufzeichnungen Gottes gab es schon. Die wichtigste war die Torah(BücherMose), welche gemäss den Evangelien auch von Jesus streng befolgt wurden. Was Jesus zu dieser Zeit jedoch nicht akzeptierte, sind die Änderungen (neue Rituale und Gesetze) in der Torah von den Schriftgelehrten(Pharisäer). Jesus wollte, das die Torah, die Lehre seiner Vaters Väter nicht verfälscht werden solle.
Doch Vorsicht: Die meisten Zitate im NT, die auf Jesus bezogen werden, stammen nicht aus der Tora. Sie sind aus den Propheten, die Jesus ebenfalls eindeutig auf sich bezieht.
Damit gehören sie zu jüngerem Schrifttum im AT. Auch die Bezeichnung Menschensohn, der für sich selbst wählt, ist aus dem apokalyptischen AT (Daniel) und damit deutlich nachexilisch. Bereits hier bleibt die Feststellung, dass es auch kein wirkliches Urjudentum gegeben hat, weil auch hier die Offenbarung dynamisch ist.
>> Wahrscheinlich könnte man auch heute noch ein Urchrist werden, wenn man die Bibel aufrichtig befolgt,
>> und einige Heilige des Mittelalters bestätigen das.
Das wage ich zu bezweifeln, denn ich kenne keinen mittelalterlichen Heiligen, der nicht aus seiner Zeit zu verstehen wäre, besonders die, die sich dem Evangelium scheinbar ungefiltert zugewendet haben wollen.
Ohne weiteres, dafür müsste man sich nur einmal mit der Lehre des Bischoff Arius auseinandersetzen, der die Lehre vertrat, die auch im heiligen Land vertreten wurde. Und nicht die Lehre der römischen Kaiser, wie es heute von der Kirche wiedergeben wird.
Arius war "nur" Presbyter, Priester. Das hinderte ihn allerdings nicht daran, eigene theologische Ideen zu entfalten. Die Gottgleichheit Jesu hat sich aber zu dem wesentlichen Kennezeichen des Christlichen gemausert. Die ganz Hoffnung auf Erlösung durch Christus hängt genau an der Frage und damit die Zentrale Aussage über den Menschen. Christen hoffen auf eine Erlösung, die sie individuell so dicht an ihren Gott bringt, dass sie ihm ähnlich sein werden. Das geht nur, wenn einer Gott selbst ist, weil sonst die Unähnlichkeiten zwischen Gott und Mensch zu groß werden.
Gewiß ein akademischer und theoretischer Gedanke. Aber eine gute Hoffnung!
Pi