Warum sollten auch Christen kein Blut essen?
Geschrieben von Siegfried am 13. Januar 2002 17:41:30:
Das Verbot des Blutgenusses ist kein jüdisches Gesetz, wie manche Christen meinen. Schon Jahrhunderte vor den Israeliten verbot Gott Noah und seinen Nachkommen, Blut zu essen ( 1 Mo 9,4). Diese Anweisung gehört zum Bundesschluss Gottes mit der Menschheit (1 Mo 8,21-9,17). Sie ist also nicht auf das Volk Israel begrenzt. Genauso wie in anderen Texten wird der Verzicht des Blutgenusses hier theologisch begründet (z. B. 3 Mo,17; 7,26; 17,10-14; 5 Mo 12,16.23).
Von der Frühzeit bis in unsere Tage glaubten viele Menschen, dass Blut Lebenskraft gibt. Aus Erfahrung wussten sie, dass ein verblutendes Lebewesen stirbt. Blut und Leben stehen also im engen Zusammenhang. Deshalb meinten diese Menschen, sie würden neue Lebenskraft erhalten, wenn sie Blut trinken. Diese heidnische Ansicht sollten die Nachkommen Noahs und später die Israeliten und Christen nicht übernehmen und deshalb kein Blut essen oder trinken (Apg 15,29.30).
Gott bestätigt in den erwähnten Bibeltexten, dass Blut zwar Leben bedeutet, aber Leben kann nur er allein geben. Deshalb kann man auch nur von ihm Leben erbitten. Der Mensch erhält Leben also nicht durch das Trinken von Blut, sondern als Geschenk von Gott.
Neben dieser theologischen Bedeutung hat das Verbot des Blutgenusses mit Sicherheit auch einen gesundheitlichen Aspekt. Bei vielen Anweisungen in der Bibel geht es nicht nur um die Beziehung zu Gott und Mitmensch oder um Glaube und Nachfolge, sondern auch um den Schutz des Lebens. So enthält Blut unter anderem Krankheitserreger und Giftstoffe, die durch das Immunsystem oder durch Leber und Nieren „entsorgt" werden. Wer also Blut trinkt, nimmt diese Giftstoffe oder auch die Stress-Hormone auf, die bei der Tötung des Tieres vermehrt ausgeschüttet werden. Damit belastet der Mensch seinen Körper gesundheitlich.
Diese gesundheitlichen Aspekte hätten die Menschen früher wahrscheinlich nicht verstanden. Deshalb hat Gott alle Gesundheitsregeln, wie beispielsweise die Hygienevorschriften, in kultisch-zeremoniellen Gesetzen „verpackt". Tatsache ist jedenfalls, dass die Juden im Mittelalter – weil sie diese Vorschriften befolgten – grundsätzlich vor den Pestseuchen verschont blieben, die Millionen von Christen hinwegrafften.
Natürlich enthält Fleisch – auch wenn das Tier gründlich ausgeblutet ist – immer noch Reste von Blut. Deshalb haben konservative Juden das Fleisch auch unter Wasser ausgewaschen, obwohl Gott dies nicht verlangte. Mit dem Ausbluten des Tieres ist die theologische Bedeutung gegeben: Der Mensch versucht nicht, Leben zu trinken. Und zum gesundheitlichem Aspekt: Unser Körper kann geringe Mengen von Schadstoffen verarbeiten. Aber die heutige Restbelastung des Fleisches durch Chemikalien, Hormone, Harnstoffe usw. lässt auch viele Nichtchristen zum Vegetarier werden.
Mit seinen Gesundheitsanweisungen hat Gott immer den Schutz des menschlichen Lebens im Sinn. Es ist zu unserem Vorteil, wenn wir sie befolgen. Sie geben uns zwar kein ewiges Leben, aber sie bewahren uns vor manchen Krankheiten und steigern damit unsere Lebensqualität.