Re: Speise verboten?

Die Ewige Religion

Geschrieben von Ahmet am 08. Februar 2005 21:26:56:

Als Antwort auf: sunna geschrieben von nour iman am 07. Februar 2005 23:51:

Hallo Nour Iman,

Erstmals vielen Dank für die informationsreiche Antwort. Du scheinst den Islam wirklich gut zu kennen und im Herzen zu tragen. Es freut mich auch sehr, dass es Muslime gibt, die den Aspekt der Ewigen Religion im Islam noch erkennen.

einem hadith zufolge sagte aischa, die frau des propheten (s.a.s.), befragt nach seinem leben: "sein leben war der Koran."

Aus diesem Satz gleich das traditionelle Handeln des Propheten in die Religion einzubeziehen finde ich persönlich schon etwas übertrieben. Ich meine, viele Elemente waren schon in der vorislamischen Zeit etwas tägliches, aber geografisch gesehen auch nur in dieser Gegend.

Was seine Aussagen im charakterlichen Sinn waren (z.B. Unterscheidung Gut und Böse; Gerecht und Ungerecht), das finde ich wiederum sehr wichtig und erkenne in der oberen Aussage Aischa’s eigentlich genau das. Aber das ist im Koran bereits geklärt und bedarf meiner Auffassung nach keiner weiteren Kommentare. Da bin ich halt etwas anderer Meinung als die Gelehrten.

der Koran ist, wie du weisst, voellig anders als jede andere zuvor niedergeschriebene heilige schrift. der Koran ist das einzige buch, was direkt goettlichen willen wiedergibt. in der bibel ist es immer anders: einem propheten werden nachrichten ueberbracht und spaeter werden dann die geschichten von den propheten mit den nachrichten in buechern niedergeschrieben. meist geschah das einige jahrhunderte spaeter, was also zu veraenderungen im wortlaut fuehrte, weil ja sprache immer lebendig ist, wenn sie gesprochen wird.

Ich sehe den Vorteil, dass der Koran den Wortlaut bis heute überliefern konnte, an der Rezitationstechnik, die von Gott dafür geschaffen wurde.
Leider gibt es keine Original-Abschriften der Evangelien in der Originalsprache mehr. Deshalb hast Du schon Recht, wenn Du den Koran als letzte verbindliche Beweis- Schrift siehst. Aber der Inhalt der heutigen Evangelien sagt ja eigentlich nichts anderes als der Koran. Die Kirche hat die Evangelien nur anders interpretiert. Das geschah meist über zusätzliche Schriften und Dogmen. Deshalb sehe ich die Evangelien nicht als etwas total Verfälschtes. Ich sehe Irrtümer von Seiten der Kirche schon im Zentralen Teil des Christentums. Und zwar bei der Interpretation des Wortes „Auferstehung“. Da gibt es das Problem, dass das griechische, wie das aramäische Wort „Auferstehung“ gemäss einem Herkunftswörterbuch eigentlich „Überleben“ heisst. Wenn ich die gemeinten Bibelstellen mit dieser Auffassung lese, so weiss ich auch, warum und in welchem Befinden Jesus in Galiläa von seinen Jüngern und Anderen gesichtet wurde.

Nun zurück zum Koran. Kann es trotz der exakten Überlieferung nicht auch sein, dass einige Stellen im Koran auf dieselbe weise falsch interpretiert wurden? Das hast Du ja auch schon geschrieben und damit bestätigt. Also kann man sich doch nicht darauf verlassen, auch wenn es ein Gelehrter ist und auf seine Weise etwas kommentiert? Sicherlich kann es eine Hilfe sein, aber letztendlich sollte jeder Mensch selbst wie ein Gesandter Gottes den Koran und die vorangegangenen Schriften mit seinem Verstand verstehen und leben. Ich denke, deshalb gab es auch keine Ernennung zum Vertreter bzw. Nachfolger des Islam durch Mohammed.

was ich also sagen will, ist, dass ein normaler mensch kaum in der lage sein wird, Gottes worte richtig zu verstehen.

Gott wird man nie ganz verstehen können, weil der Mensch nur einen Bruchteil seiner Atribute besitzt. Gott aber ist vollkommen und richtet alles so, wie es sein muss. Auch wenn wir es nicht verstehen können.

Aber den Inhalt der Bibel oder des Koran kann man verstehen. Zumindest das, was für uns Menschen jetzt und heute wichtig ist. Alles weitere müssen wir nicht wissen und auch nicht danach suchen.

hinzu kommen all die kleinen religioesen verpflichtungen, die im Koran zwar gefordert werden, deren genaue form aber erst durch die sunna bekannt wird. nimm die form oder die zeiten des gebets. das steht nicht im Koran. wie wird gefastet? steht auch nicht drin. wieviel zakat? tja.

Das war ja auch nicht der Wille Gottes, das so zu definieren. Das kann man so tun, soll auch nicht falsch sein, aber das gehört nicht zu den religiösen Pflichten. Das sind vorislamische Traditionen aus einer bestimmten Gegend. Vielleicht hat Mohammed diese auch praktiziert. Vielleicht aber auch nicht. Jedenfalls ist es nicht das, worauf es ankommt.

auch steht im Koran: "Gehorchet Allah und Seinem Gesandten!"
wie kannst du einer solchen aufforderung nachkommen, wenn du vom leben des propheten (s.a.s.) nichts weisst?

Es geht mir nicht darum, Mohammed zu ignorieren. Aber mir ist es wichtiger zu verstehen, wie die Gedankenwelt von Mohammed und all den anderen Gesandten aussah. Da das Wort „Gesandten“ in Mehrzahl gemeint ist, müsste ich doch auch die Betensform von Jesus und Abraham beachten? Jesus sagte die selben Worte über die Gesandten.

ja, habe ich. und ich sage dir hier, dass die qualitaet und sicherheit der ueberlieferungsketten tausender hadith, welche das leben des propheten und damit indirekt den Koran, erklaeren, viel hoeher ist, als es bei thora und evangelium der fall ist.

Die Qualität und Sicherheit? Das mag schon sein. Aber als autoritäre Schrift würde ich selbst den Koran als Bestätigung zu den vorangegangenen heiligen Schriften den Anderen islamischen Kommentaren vorziehen.

Koran, dann hat der Koran eher recht, bzw. man muss sich genau ueberlegen, was der Koran hier wirklich aussagen will.

Genau, so ist es. Deshalb frage ich hier: Was meinst Du zu den Speisegeboten der Thora? Diese sind ja nicht verfälscht. Dürften Muslime wirklich das Fleisch von Kamelen und Hasen essen?

eine der aufgaben von jesus (a.s.) war, den juden etwas zu erlauben, was ihnen scheinbar verboten war: die arbeit auf einem sonnabend (wie man weiss, heilte jesus an einem sabbath, was man ihn zum vorwurf machte).

Bitte was? Jesus erlaubte….? Nein, er verwarf alles, was nicht dem Glauben der Väter entsprach. Also was nicht der Thora entsprach war falsch. Somit verwarf er die neuen Rituale und Gesetze der Pharisäer (Tempel-Juden bzw. Schriftgelehrten). Also war er auch einer, der die Menschen an die Religion Abrahams erinnerte.

…und im Koran steht gar, dass er ihnen einiges zu essen erlaubte, was zuvor untersagt war.

Das ist interessant. So etwas ist mir nicht bekannt aus den Evangelien. Wo steht das im Koran?

genau genommen unterscheidet der islam verschiedene typen von propheten: die, welche zu einem vorhandenen gesetz rufen. sie erinnern die menschen an die botschaften Gottes.

Zu diesen gehören für mich Abraham, Moses, Jesus und Mohammed.

und dann gibt es welche, die ein neues gesetz einem "gottlosen" volk ueberbringen. zur zweiten sorte gehoeren moses (a.s.) und muhammed (s.a.s.). zur ersten gehoeren johannes der taeufer (a.s.), jesaja (a.s.), usw.

Zu diesen zweiten gehören doch eher die Pharisäer (jüdische Tempelpriester), vielleicht auch die heutige Kirche? Ich denke, das stimmt eher. Zudem sehe ich Johannes und Jesaja nicht wirklich als Propheten, sondern als Apostel.

nun, zur zeit muhammeds (s.a.s.) sprach man wohl eher von der "religion Gottes" oder auch "religion des einen Gottes" oder so. und stimmt, es war keine marke, man wollte sich nicht abgrenzen. man verstand diese religion im allgemeinen als natuerliche fortfuehrung des natuerlichen monotheismus.

Das ist auch der Zukunft des heutigen Islam. Das glaube ich.

es geht weniger um den begriff, sondern eher um das, was er aussagt. die sunna ist der inbegriff der lebensweise, den gewohnheiten und geboten des propheten (s.a.s.). gemaess Koran sollen wir uns an ihm ein beispiel nehmen und ihm nacheifern. jeder muslim, der der sunna folgt ist sunnit. da die sunna aber direkt auf den propheten (s.a.s.) zurueckgeht, ist er natuerlich der erste sunnit (in der von Gott "islam" genannten religion, die es zwar vorher auch schon gab, aber eben noch nicht in genau dieser auspraegung).

Ja, und genau diese Ausprägung sehe ich als zuviel. Sonst genau mein Gedanke.

Danke für die gute Ausführung deiner Antwort. Nun jetzt sollte ich weiter. Ich freue mich auf die Antwort, besonders der Speisegebote und der angefragten Koranstelle. Denn das ist mir ganz neu.

Gruss
Ahmet





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