Re: Gott ist nicht sichtbar, jedoch fühlbar....
Geschrieben von AS am 27. November 2000 19:31:25:
Als Antwort auf: Re: Gott ist nicht sichtbar, jedoch fühlbar.... geschrieben von Ahmet am 27. November 2000 13:43:28:
Mein Tip sind die 10 Gebote, welche das Gefühl des Menschen vertreten. Übrigens sollte man so handeln, wie man es selbst erfahren möchte.
Umgekehrt wird ein Schuh draus. Die zehn Gebote sind Gebote der Menschlichkeit, d.h. sie sichern die SOZIALVERTRÄGLICHKEIT einer Gesellschaft. Mit Moral hat das so wenig zu tun wie mit dem "Willen Gottes". Was Gut und Böse ist, entscheidet eine Gesellschaft aufgrund historischer und sozialer Faktoren, deshalb ist Moral auch äußerst wandelbar. Nimm z.B. Homosexualität: in den 60ern noch ein Verbrechen, heute akzeptiert. Auch verbrennen wir heute keine rothaarigen Frauen mehr, weil es Gottes Wille ist. Wir foltern auch niemanden mehr, weil er behauptet, die Sonne und nicht die Erde ist der Mittelpunkt usw.
Warum ist vorehelicher Geschlechtsverkehr eine Sünde? Weil zu Jesu Zeiten bis ins Mittelalter die Frau keinen Beruf und keine eigene Absicherung hatte. Wäre sie schwanger geworden und "allein erziehend", dann wären sie und ihr Kind kaum überlebensfähig gewesen. Wenn jeder den anderen bestiehlt, kollabiert die Gesellschaft. Warum darf man im Islam kein Schweinefleisch essen? Weil Mohammed wußte, daß zu seiner Zeit Schweinefleisch giftig sein konnte. Hätte er heute gelebt, dann hätte er vermutlich aus aktuellem Anlaß (Rinderwahnsinn)das Essen von Rindfleisch verboten. Man darf nicht töten? Im Namen Gottes scheinbar schon: Kreuzzüge, Heilige Kriege, Hexenverbrennung mögen als Stichwort genügen. Eine seltsame Moral, oder?
Und was will denn nun dieser Gott, der doch allmächtig und allwissend sein soll, vom Menschen? Wozu erschafft er uns, wissend, daß wir fehlbar sind und niemals nur gut handeln werden, um uns dann hinterher zu richten? Das ist so, wie wenn ich einem Hund die Wurst vor die Nase halte, und ihn dann verprügel, wenn er nach ihr schnappt. Gott ist nichts weiter als die Vorstellung vom perfekten Menschen, deshalb hat er auch alle menschlichen Züge:
1. Gott ist allmächtig und allwissend. Wer möchte denn so sein? DER MENSCH!
2. Gott will angebetet werden. Wer liebt es, angebetet zu werden? DER MENSCH!
3. Gott richtet. Wer richtet denn? DER MENSCH!
4. Gott schenkt ewiges Leben. Oh wie praktisch! Wer hat denn was davon? Wer würde denn gerne ewig in Glück leben? DER MENSCH!
Das die Bibel eine Loseblattsammlung fanatischer Idealisten ist, läßt sich ebenso leicht nachweisen wie die Tatsache, daß die meisten biblischen Wunder aus antiken Vorbildern geklaut sind. Die Jungfrauengeburt zum Beispiel ist ein uralter Hut, der schon den Ägyptern als Zeichen für göttliche Abstammung galt. Wasser zu Wein verwandeln geht auf den Dionysos-Kult zurück - lange VOR Christus. Die vier Evangelien sind ein typisches Beispiel für Legendenbildung: Lies sie mal parallel in chronologischer Reihenfolge, und du wirst sehen, wie Jesus zunehmend verklärt und seine Wunder vergrößert werden. Im zeitlich frühesten Evangelium gibt es weder Jungfrauengeburt noch läßt Jesus einen toten Auferstehen. Hier heilt er EINEN Blinden, in den folgenden Evangelien sind es bereits ZWEI. Nach dem Stille-Post-Prinzip wird immer mehr hinzugedichtet. Von der Geburt Jesu gibt es drei völlig widersprüchliche Fassungen, genauso von der Auferstehung. Hier herrscht totale Uneinigkeit, wer den jetzt an das Grab kam: Johannes oder die Frauen? Bei einem Evangelisten erscheinen 2 Engel, beim anderen einer, beim anderen steht jesus persönlich da. In einer Version ist der Grabstein weggerollt, beim anderen nicht. Lies die Evangelien mal parallel, es lohnt sich.
Falls dich das Thema interessiert, lies mal Drescher "Die Kriminalgeschichte des Christentums" oder so ähnlich.
Gruß, AS