Re: Hallo Ahmet... Siddartha (Buddha)
Geschrieben von Ahmet am 11. Februar 2001 18:53:59:
Als Antwort auf: Hallo Ahmet... Siddartha (Buddha) geschrieben von sarina am 06. Februar 2001 16:38:49:
Hallo Sarina,
>> Ich habe aber mal einiges gelesen, woraus hervorging, dass....
Was Du gelesen hast, sind tatsächlich Elemente, welche man Siddartha zuschreiben kann. Auch dass er nicht Gott, sondern die religiösen Gegebenheiten ablehnte (Brahmanische Lehren).
>> Ich habe eine Frage an dich und zwar über die Krischna Kultur, kennst du dich da aus?
>> Die Krischna-Kultur ist ja sehr alt. Sie soll in die Zeit der Schlacht von Kurukstra reichen, sofern man da überhaupt irgendwelche historische Fetzen hat.
Also ehrlich gesagt, als die Rigveda (die wirklichen Veden) um 1500 v.Chr. entstanden, war das Wort oder der Name Krishna unbekannt. Erstmals wurde das Wort Krishna in der Bhagavadgita zwischen 300 v.Chr. und 300 n.Chr. erwähnt. Natürlich kann es sein, das eine alte Legende erst um diese Zeit aufgeschrieben wurde, bin aber der Meinung, dass der Begriff Krishna dann auch in früheren Texten gefunden werden müsste.
Jedenfalls kann die Krischna-Kultur nicht so alt sein, weil diese Elemente von den Upanishaden (ab ca. 600 v.Chr.) enthällt. Ein wichtiges Element der Krischna-Kultur ist die Reinkarnation und die Karmalehre. Diese Lehren kannte man jedoch bei den ersten Hinduisten (Vedische Kultur:1500 v.Chr. oder früher bis ca.700 v.Chr.) nicht. Buddha war nur einer der Verfechter dieser neu eingeführten Lehren. Die Krischnas dagegen sagen selbst, dass Krishna die achte Inkarnation Vishnus sei.
>> Was man aber weiss ist, dass es im Norden Indiens Ausgrabungen von alten Städten mit genauen geometrischen Formen gibt, die gut 7000 Jahre alt sind und dass man Schriftzeugnisse fand, die ursprüngliches Sanskrit enthielten.
Von diesen Ausgrabungen habe ich in "Krischna Broschüren" auch schon gelesen. 7000 Jahre hört sich zwar sehr lange an, ist aber eigentlich erst um ca. 5000 v.Chr. datiert. In dieser Zeit war der vordere Orient (Türkei, Syrien, Palestina, Iran, Irak) bereits mit solchen Bauten gefüllt. Es hingen sogar schon Bilder an den Wänden. Catal Hüyük (6400 v. Chr.) oder Jericho (seit 9000 v.Chr.; seit 7300 v.Chr. rechteckige Bauten) sind da sehr gute Beispiele.
Was das ursprüngliche Sanskrit angeht, müssten dann also Bildsiegel sein, welche man bis heute noch nicht weiss, was die Bilder aussagen wollten. Übrigens ist der Ursprung der Vedischen Kultur nicht der Norden von Indien, sondern der Punjab (heutiges Pakistan). Ich glaube nicht, das die Krischna-Kultur damit einen Zusammenhang hat.
>> Und man weiss, dass schon damals über den Raum der alten Seidenstrasse mit dem vorderen Orient Handel betrieben wurde.
Ob diese Strasse wirklich die Seidenstrasse war, kann ich nicht sagen. Aber klar ist, das eine Beziehung zwischen diesen Städten bestanden haben muss.
>> In diesen alten nordindischen Siedlungen entdeckte man auch, dass die Zahl Null bekannt war, - viel früher als bei den Arabern.
Viel früher als bei den Arabern? So ausgedrückt ist das schon richtig, denn die Vormachtstellung der Araber gibt es mit diesem Namen auch erst seit ca.600 n.Chr. Aber wer war den in diesem Gebiet vor den Arabern? Es waren Sumerer und Babylonier, die bereits ein ausgereiftes Zahlensystem kannten. Diese verwendeten Tausende von Jahren lang Schriftsymbole für Zahlen, bevor sie ein Symbol für 0 einführten. Die 0 wurde ursprünglich nicht als Zahl für die Berechnung eingeführt, sondern als Stellenmarkierung, um zwischen Zahlen wie 123, 1203, 1230 und 1023 zu unterscheiden. Die Maya verwendeten um das 1. Jahrhundert n. Chr. ein kleines Oval, das einen inneren Bogen enthielt, um 0 zu kennzeichnen. Etwa fünf Jahrhunderte später begannen die Hindus, als Symbol für die 0 einen Kreis oder einen Punkt zu benutzen; später verzichteten sie auf den Punkt. Diese indischen Mathematiker schrieben Zahlen in Spalten und verwendeten die 0, um eine leere Spalte zu kennzeichnen. Das Hindi-Wort für 0 war ßùnya, es bedeutete leer (im Binärsystem sinnvoll). Die Araber verwenden das Wort sifr, was wiederum die babylonische Vorstellung "Ziffer" darstellt.
>> Ein weiteres Indiz für den Informationsfluss über die alte Handelsrouten in den Westen.
Ja, das glaube ich auch. Aber mit Krishna hat das ja wohl nichts zu tun gehabt, wenn es wirklich schon 7000 v.Chr. diesen Informationsfluss gab. Die Sumerische Sprache und Schrift war lange Zeit die Handelssprache (Keilschrifttafeln). Die Astrologie oder Alchemie wurde mit dieser Schrift verbreitet, ist also nicht aus Indien gekommen, sondern dahin gebracht worden. Der Sanskrit wurde erst später entwickelt. Als erste indogermanische Schrift wird heute die Hedhitische Keilschrift gesehen (Vorreiter von Sanskrit).
>> Es gibt aber noch eine ganz andere religiöse Kopie. Als Jesus geboren wurde, musste er mit der Familie in Ägypten versteckt werden, weil Herodes alles Erstgeborenen tötete. Als Krischna geboren wurde, gab es eine ganz Ähnliche Geschichte. Hiess der Böse König nicht Kamscha o.ä. der die Erstgeborenen tötete?
Das ist richtig, diese Geschichte gab es schon mit Moses, Jesus, Krishna und vielen weiteren lokalen Legenden. Auch die Jungfrauengeburt Marias wird wie bei Jesus auch bei Krishnas Mutter erzählt. Du musst verstehen, dass die Kultur im ganzen Orient sehr ähnlich war und durch die Handelsruten diese Erzählungen bis vor China gelangen konnten. Auch die Sintflut war in allen Regionen der Welt bekannt. Was da genau gelaufen ist, kann heute niemand erklären. Wir finden nur die Spuren von einer Weltweit verteilten Kultur die das gleiche über ihren Ursprung erzählen. Wo aber der Anfang war, das weiss man heute nicht genau. Was man weiss, ist aber, dass nicht Jesus der Ursprung ist.
>> Mich würde interessieren wo ich Informationen über die Geschichte von Krischna finde, hast du evt. einen Tip für mich? Oder kannst du mich über die Geburt von Krischna etwas erzählen?
Du findest in Broschüren und Literatur von der Krischna-Bewegung (ISKCON) jede Menge informationen über die Krischna. Um sich aber ein wissenschaftliches Bild von aussen zu machen, müsstest Du Dich erst einmal mit der Religions-Geschichte des Hinduismus ausseinandersetzen. Bei Fragen kann ich Dir schon helfen. Später würde ich einmal die Bhagavadgita lesen.
>> Im weiteren möchte ich gerne wissen in wie fern die Krishna Kultur, über einen Zeitraum die christliche Religion mit beeinflusst hat, wo das Element der Liebe zum Sohn des Gottes eine ganz erhebliche Rolle für die Erlösung spielt.
Also die Krischna-Kultur hat das Christentum nicht beeinflusst. Es wurden aber beide Religionen von einem Gemeinsamen Ursprung beeinflusst. Die Upanishaden haben das Krischnabewusstsein gebildet und die Thora hat das Christentum geprägt. Da beide Religionen den Orient als Ausgangsort haben, ist es doch nicht verwunderlich, dass viele Gemeinsamkeiten vorhanden sind. Die Liebe und die Erlösung sind unter anderem Grundelemente aller Religionen. Den Ursprung dieser Grundelemente findest Du in deinem Herzen.
Bei weiteren Fragen stelle sie doch einfach.....
Gruss
Ahmet
>> Sarina