Re: Ergänzende Dogmen

Die Ewige Religion

Geschrieben von Ahmet am 11. Dezember 2001 18:37:27:

Als Antwort auf: Re: Ergänzende Dogmen geschrieben von mukti am 06. Dezember 2001 21:27:54:

Hallo Mukti

Ich schaue mir Religionen neben dem kulturellen, rituellen Anschauungen auch aus der historischen Sicht an. Die historische Sicht zeigt tatsächlich in den meisten Fällen einen gemeinsamen Ursprung der Religionen, woraus erst durch Ergänzende Schriften ein neues Religionsbild entstand. Das gilt auch für Östliche Religionen.

>> Du schreibst immer wieder, dass alle Religionen letztlich dasselbe sagen. Nun vertreten die Veden aber z.B. die Reinkarnation, die im semitischen Kulturkreis nicht wirklich ein Thema ist. Die Veden und der Buddhismus haben das zirkulare Weltbild, also den ewigen Kreilauf des Kosmos von Werden Sein und Vergehen, während die Bibel das Lineare vertritt, also die Entwicklung der Welt bis zu dem Zeitpunkt des jüngsten Gerichtes, wonach sich eines jeden Schicksal für immer und ewig entscheidet.

Das ist schon richtig. Im heutigen Hinduismus bzw. einigen Richtungen des Buddhismus trifft das zu. Aber die Religion, die auf den Veden begründet ist, kannte als oberste Autorität INDRA, den Himmelsgott, der in der Rigveda (älteste ved. Schrift) beschrieben, unserem biblischen Gott (JHWH) aus der Bibel ähnlich, wenn nicht sogar gleich ist. Erst durch die Brahmanen wurde dieser Hochgott hinter die drei neuen Götter Shiva, Brahma und Vishnu
gestellt und bekam nur noch die Funktion eines Regengottes.

Wie kann man das wissen? Also, um das verstehen zu können, werden wir nun mal die Veden kennen lernen. Die Veden wurden um ca. 1500 v.Chr. geschrieben und galten damals als das Wort Gottes bei der vedischen Kultur am Punjap. Es war ein sehr tiefreligiöses Volk, das auch Rituale Pflegte, die neben der Rigveda noch heute in den Büchern Mose zu finden sind. Auch das Opfern von Ziegen und Rindern war an der Tagesordnung. So wurde es in den vedischen Schriften der damaligen Zeit verlangt. Zu Beginn der vedischen Zeit gab es drei vedische Schriften: Rigveda, Samaveda, Yajurveda. Die vierte, die Atharvaveda wurde nicht als Göttlichen Ursprung akzeptiert, da diese von dem Rishi Atharvan selbst geschrieben wurde und daher nicht zu den Veden gezählt wurde.

Erst ca. 1000 Jahre später wurden durch die brahmanischen Eremiten Kommentare zu den Veden geschrieben. Erst da wurde auch die vierte Veda zu den Veden gezählt. Die neuen Komentare werden Upanishaden genannt. Erst nach Entstehung dieser brahmanischen Schriften wurde die Reinkarnation, und damit die Karmalehre und das Kastensystem in die Gesellschaft integriert. Auch das Götterbild und das zirkulare Weltbild werden erst aus den Upanishaden begründet. Das System wurde dann noch verfeinert und bekam um 300 n.Chr. den neuen Begriff "Vedanta", was zu deutsch "Abschluss der Veden" heisst. Wenn man es genau nehmen würde, dann dürfte man die heutigen Veden nicht mehr Veden nennen. Besser wäre die Bezeichnung Brahmanische Schriften der Philosophie. Gleich wie bei den griechischen Philosophen. Damit möchte ich die Trennung ansprechen zwischen heilig (göttlich) und philosophisch (menschlich).

Um 500 v.Chr., bei der Einführung dieser Lehren durch die brahmanischen Machthaber, gab es kleinere Gruppen, die grossen Widerstand gegen diese brahmanischen Lehren leisteten. Eine dieser Bewegungen war die des Gautama Siddharta, den Begründer des Buddhismus. Siddartha (Buddha) lehnte die brahmanischen Lehren ab und versuchte die beeinflusste Gesellschaft zurück zur alten Lehre des Dharma zu führen. Dies sei nur durch die geistige Befreiung von dem Rad des ewigen Kreislaufs (Samsara) möglich, denn er sah das Leiden in der brahmanischen Gesellschaft.

Natürlich ist die Lehre der Reinkarnation auch bei einigen Richtungen des heutigen Buddhismus ein Element im Glauben. Das liegt aber nur daran, weil die heilige Schrift der Buddhisten, der Dreikorb (Tipitaka) nicht mehr dem ursprünglichen Pali-Schrift entspricht. Denn Buddha lehnte auch die Priestersprache Sanskrit ab. Deshalb wurden nach seinem Tod durch seine direkten Schüler die Texte in Pali geschrieben. Erst viel später wurden die Texte ins Sanskrit übersetzt. Zudem wurde auf dem 3. buddhistischen Konzil in Pataliputra der dritte Korb durch einen eigenen (je nach Richtung) ersetzt, so dass Einflüsse aus dem hinduistischen nicht mehr wegzudenken waren. Der Urbuddhismus, die Theravada-Buddhismus beispielsweise lehnt noch heute die Reinkarnation ab, weil diese sich noch immer auf der Pali-Fassung der heiligen Schrift begründet.

>> Desgleichen gäbe es noch viele gegensätzliche Darstellungen in den ursprünglichen Schriften, etwa ein persönlicher Gott gegen das unpersönliche Nirvana oder das Brahman, usw.

Auch die Bücher Mose kennen nur einen unpersönlichen Gott, dessen Willen jedoch mit menschlichen Züge beschrieben wird: Er macht Versprechungen und spricht Drohungen aus, er empfindet Zorn und sogar Eifer. Auch hier gibt es einen Zusammenhang.

>> Meinst Du nun, dass alles erst durch nachträglich hinzugefügte Dogmen divergiert ist, und wenn ja, welche Darstellung ist die Ursprüngliche?

Versuche die historisch ersten Schriften jeder Religion ausfindig zu machen. Diese sind meist durch Religionswissenschaftler, die Religionen vergleichen bereits mehrmals recherchiert und dokumentiert worden. Da gibt es unzählig viel Literatur darüber. Eines, das ich Dir empfehlen kann, ist der Religionsführer von Knaurs.

Zudem kannst Du in der Bibel (Einheitsübersetzung) meist als [Kommentare] die Ursprünglichen Texte nachvollziehen.

>> Ist nicht vieles auch interpretierbar? Kann man denn ein sich gleichbleibendes Gotteswort aus all den verschiedenen Schriften herauslesen, das allen anderen Argumenten standhält?

Sicher wurde auch bei der Erforschung viel interpretiert. Und was die Wissenschaft heute aus so vielen verschiedenen geographischen Orten an gleiches erkannt hat, gilt nur im Moment. Wer weiss, auch ein neuer Fund kann die ganze Wissenschaft wiederlegen. Aber die heutige Meinung in der Wissenschaft besteht schon längere Zeit und es gab schon viele Versuche, sie zu wiederlegen. Bis heute erfolglos.

>> Ich bin ja nun kein Religionsgelehrter, Du hast Dich aber viel damit befasst, würde mich über eine Antwort freuen.

Ich gebe Dir weiter, was ich weiss.....

Gruss
Ahmet





Antworten:

Die Ewige Religion