Re: Nur die 10 Gebote
Geschrieben von Ahmet am 26. Januar 2006 18:24:05:
Als Antwort auf: Re: Nur die 10 Gebote geschrieben von Ben am 26. Januar 2006 00:09:
Hallo Ben,
Ben: Welche Stellung hat für Dich Jesus?
Bevor ich die Frage über Jesus beantworten kann, möchte ich Dir meine Stellung zu den Heiligen Schriften abgeben. Beim Lesen dieser Texte begebe ich mich Geistig in die Zeit, wo die Texte niedergeschrieben wurden. Ich versuche zu fühlen, was der Schreiber damals gefühlt haben muss. Genauso versuche ich mich in die Lage jenes zu versetzen, über den geschrieben wird. Und was ich lese, das versuche ich ohne Interpretation Wörtlich aufzunehmen und zu verstehen.
Denn nur durch Interpretation von immer der gleichen Sache entstanden die Unterschiede in den Religionen
Meine Art zu lesen bedingt natürlich, dass man sich mit der semitischen Sprach- und Sinnkenntnissen (inkl. ihre Herkunft), der Schriftgeschichte (auch die indogermanische), Kultur und Geschichte, wie auch die Religionsgeschichte des Nahen Ostens auseinandersetzt.
Also, um nochmals auf meine Stellung zu Jesus zurück zu kommen, ich sehe in Jesus einen Menschensohn, der von Gott, unserem Schöpfer den Auftrag bekam, etwas Verlorenes in Erinnerung zu rufen. Als verloren galt in der Zeit Jesu die Überlieferung der ganzen Schöpfung, welche ursprünglich an die ganze Welt gerichtet war. Das Problem zur Zeit Jesu war, dass die damaligen Schriftgelehrten (Pharisäer) sich selbst zu Vertreter Gottes ernannten und heilige Rituale nur noch über ihre "Bewilligung" durchgeführt werden durften. Selbst das bis vor den Pharisäern für jeden Menschen alltägliche Tauchritual wurde von den Pharisäern vorenthalten. All das waren neue Regeln, die man davor nicht kannte. Deshalb war es ja auch kein Wunder, dass Johannes der Täufer das Tauchritual auch für einfache Menschen am Jordan anbot. Man musste also nicht Priester sein, um den Geist ins reine zu bringen. Es durften auch einfache, aussätzige kranke Menschen den täglichen Segen Gottes erhalten.
Ben: Siehst Du ihn als Gottes Sohn?
Ja, ich sehe ihn als den Sohn Gottes. Ich weiss, dass mansche Menschen in der Bezeichnung "Gottes Sohn" viel mehr sehen, als es eigentlich wäre. Ich selbst sehe darin das, was es auch tatsächlich heisst. Hätte es damals ein Wörterbuch gegeben und würde in diesem nachschlagen, dann war die damalige Erklärung (aramäische):
ein Mensch, der dem Verhalten nach wie Gott handelt.
Noch heute gibt es den Spruch "Sohn des Esels!" (Gemeint ist das dumme oder störrische Verhalten) oder "Sohn des Vaters" (Wie der Vater, so der Sohn) in der aramäischen und ihren verwandten Sprachen.
Oder was denkst Du, welche Menschen Jesus meinte, als er sagte:
(Mt 5,9) Glückselig die Friedensstifter, denn sie werden Söhne Gottes heißen
Du glaubst doch, dass es ausser ihm keinen "Sohn Gottes" gibt? Aber auch das Alte Testament spricht von ihnen. Die Pharisäer ärgerten sich ab Jesus, weil sein Verhalten nicht ihrem eigenen Handeln entsprach, und Jesus sich trotzdem als ein "Sohn Gottes" verstand, obwohl er es meines Wissens nach nie selbst von sich behauptete (er war bescheiden). Deshalb fand man ja keinen wirklichen Grund, ihn hinzurichten.
Ben: Als Propheten?
Als Sohn Gottes, weil sein Verhalten, dem Willen Gottes entspricht. Erst dann kann meiner Meinung nach Jesus auch ein Prophet sein. Denn laut Wörterbuch ist ein Prophet Gottes (manchmal auch Gesandter Gottes genannt) die Person, welche die Botschaft Gottes empfangen kann. Jesus hat das Wort Gottes empfangen und als Fleisch (Mensch) ausgesprochen. Das machen nur Propheten.
Ben: Wie stehst Du zu anderen ATlichen Büchern (Jesaja, Psalme, Sprüche etc)
Sie sind schon in Ordnung als Lebenserfahrungsberichte und Weisheiten, würde diese aber nicht als das Wort Gottes einordnen, da auch diese nur als Kommentar zur Schöpfung angehängt wurden. Was aber Jesus daraus zitiert, bekommt für mich eine hohe Priorität.
Ben: Glaubst Du an Jesu Kreuzigung? Und an die Berichte, wie dies stattgefunden hat?
Ich habe keine andere Wahl, als an das zu glauben, was die Evangelien diesbezüglich berichten. Ich habe diese vier Evangelien auch sehr genau gelesen (ohne zu interpretieren). Daraus entnehme ich, dass Jesus nicht wie üblich gekreuzigt wurde, sondern am gleichen Tag noch in eine Gruft gelegt wurde. Andere mussten tagelang am Kreuz leiden. Deshalb glaube ich, dass Jesus auferstanden ist, also die Kreuzigung überlebt hat und erst in späteren Jahren eines natürlichen Todes gestorben ist. Er lebte weiter als Fleisch und Blut.
Manche Menschen verstehen unter dem Begriff "auferstehen" oder "auferweckt", dass Jesus am dritten Tag als Gestorbener in den Himmel aufgefahren sei. Aber diese Menschen haben dann die Evangelien nicht selbst gelesen, sondern folgen einer späteren Interpretation, deren Autor kein Zeuge dieser Zeit war. Jesus brachte es fertig, dass auch Lazarus auferweckt wurde. Die Auferstehung des Lazarus wurde aber als Wunder gesehen. Wäre er nur in den Himmel aufgefahren, dann wäre es bestimmt kein Wunder gewesen. Zurück zur Auferstehung von Jesus. Als das erste christliche Fest gilt die Auferstehung von Jesu (Ostermontag). Warum hätte man das den damals feiern sollen, wenn er gestorben wäre? Dann gibt es doch noch ein anderes Datum, welches Christi Himmelfahrt genannt wird. Was war das (ohne zu interpretieren)?
Für mich sind die Evangelien der Beweis, dass Jesus die Kreuzigung überlebt (früherer Ausdruck: auferstanden; auferweckt) hat.
Ben: Falls ja, warum ging Deiner Meinung nach Jesus ans Kreuz?
Weil er dafür verurteilt wurde? Hätte er eine andere Wahl gehabt? Lag es in seiner Hand? Er war ja auch nur ein Mensch? Er kämpfte nun mal für Gerechtigkeit und das passte den Machthabern nun mal nicht. Sie handelten.....
Er oder seine Angehörigen konnten wenigstens den Deal machen, dass er früher vom Kreuz genommen werden durfte.
Ben: //kurzer Einschub - das 5. Gebot (1.Tafel) regelt doch die zwischenmenschl. Beziehung (Kind-Eltern), nicht die Bez. Mensch und Gott !?
Ja, da hast Du recht. Auf den ersten Blick würde man es auch so interpretieren können. Aber im Zusatz, wo es darum geht, dass der Mensch noch lange auf dieser Erde lebe, zeigt sich ein Eigennutz Gottes. Denn nur wenn das Kind die Überlieferung annimmt, so kann das Kind auch weitere Generationen diese überliefern, und Gott wird nicht in Vergessenheit geraten. Zudem kann man es aus der Originalsprache auch als "ehre die Alten" übersetzen, was dann nicht zwingend auf Vater und Mutter bezogen werden muss. Aber lassen wir das.
Hast Du die Kommentare zu den Zehn Geboten gelesen? (im Link, den ich Dir angegeben hatte) Wenn ja, dann hast Du sicherlich bemerkt, dass zwar die erste Tafel die Beziehung zu Gott regelt, aber den Nutzen hätten auch die Menschen, wenn sie gehalten würden (gespaltene Religionen, Frieden etc.).
Ben: Als letzte Bedingung lehrt in Jesu die kompromisslose Nachfolge! Ohne Jesus bleibt jedem der Eintritt ins Himmelreich versperrt. Das lehrt er auch an anderen Stellen (z.B. Joh 14,6)
(Joh 14,6) Jesus spricht zu ihm: Ich bin der Weg und die Wahrheit und das Leben. Niemand kommt zum Vater als nur durch mich.
Weg (denn ich zeige euch, was der Wille Gottes ist)
Wahrheit (weil es das Wort Gottes ist, was ich euch weitergebe)
Leben (ich sage es nicht nur, ich lebe es vor)
Niemand kommt zum Vater als nur durch mich (Nur wer das tut, was ich zeige, tut das, was Gott will)
In dieser Aussage sehe ich nicht eine Nachfolge, sondern eine Aufforderung, dass man den Willen Gottes tut, indem wir Jesus als Beispiel für unser Handeln nehmen. Und wenn Jesus folgendes tut, haben auch wir das zu befolgen. Die Pharisäer jedenfalls taten es nicht.
Joh 8,39 ...Wenn ihr Abrahams Kinder wäret, so würdet ihr die Werke Abrahams tun.
Ben: Es ist sehr wohl ein Gesetz! Nicht eines der 10, aber es ist eindeutig eine Vorschrift an alle Söhne Israels! (1Mo 17,14)
Wenn Du das so siehst. Dann ist aber auch die Christliche Taufe ein Gesetz? Denn die Taufe ersetzte ab 312 n. Chr. die Beschneidung (Beitritt zum Neuen Bund).
Ben: Hast Du dich auch daran gehalten? Bei Dir und Deinen Söhnen (falls vorhanden)?
Ja, habe ich.......
Ben: Die Frage ist, warum gab Gott uns die 10 Gebote? Damit wir bessere menschen werden? Ich glaube nicht, denn nach Jesu (und auch Deiner) Interpretation fängt jede Sünde bereits im Kopf an.
Ach, komm schon Ben, nur die Zehn Gebote. Das kann man doch halten! Auch schon im Kopf! Wenn Du schon die Frage "Warum 10 Gebote" stellst, dann hast Du sie bestimmt nicht verstanden. Hast Du sie schon gelesen?
Jesus kündigte das Reich Gottes an. Was meinst Du, warum es noch immer nicht gekommen ist? Lies den Beitrag im Link unten aufmerksam durch. Danach stell Dir die Frage "warum" erneut.
Verstehst Du, was ich meine? Wenn Du nach dem Lesen der 10 Gebote und deren Kommentar ein Aha-Erlebnis hast, dann bist Du im Besitz des heiligen Geistes. Das war die Bezeichnung für die Erkenntnis, Gott verstanden zu haben.
Auch wenn ich etwas direkt werde, es ist nicht negativ gemeint.
Gruss
Ahmet