Re: Nur die 10 Gebote
Geschrieben von Ahmet am 25. Januar 2006 22:38:18:
Als Antwort auf: Re: Nur die 10 Gebote geschrieben von ben am 25. Januar 2006 00:10:
Hallo Ben,
Ben: Ich weiss, Du zählst Dich zu keiner Glaubensgemeinschaft, aber was ich bisher von Dir gelesen habe klingt das alles sehr jüdisch. Würdest Du Dich als Jude bezeichnen (lassen)?
Das ist eine gute Frage. Was denkst Du, würdest Du Abraham als Jude bezeichnen? Oder vielleicht Mose? Was meinst Du zu Jesus?
Der Begriff geht auf die abgeleitete lateinische bzw. griechische Übersetzung des Wortes Jehudi (Jude; Plural Jehudim) zurück. Ursprünglich bezeichnete dieser nur einen Einwohner Judäas im Süden Palästinas. Nach dem Babylonischen Exil wurden jedoch alle Anhänger der jüdischen Reformatoren Esra und Nehemia sowie alle Einwohner der Provinzen Israel und Judäa Juden genannt.
Ben: Gott schreibt schließlich im Bezug auf viele Gesetze: "den Söhnen Israel sage..."
Genau, denn sie schrieben die überlieferten Gesetze wiederum nieder. Die Juden selbst bezeichneten sich, soweit religiöse Angelegenheiten betroffen waren, als Israeliten oder Bne Israel (Söhne Israels). Auf noch älteren Überlieferungen findet man die gleichen Gesetze, aber dort wird das Wort Hebräer verwendet. Die Herkunft der Bezeichnung Hebräer (ivri) ist nicht sicher zu bestimmen. Sie wird zwar häufig synonym mit Israeliten verwendet, doch scheint ihre ursprüngliche Bedeutung weniger auf eine religiöse oder nationale Gruppe, bzw. Geschlecht, sondern auf eine soziale Schicht landloser Wanderer im Sinn von Nomaden abzuzielen. Abraham ist der Erste, der in der Bibel als Hebräer bezeichnet wird (Genesis 13, 14). Im biblischen Hebräisch existierten die Begriffe Judentum und Religion aber nicht.
Wenn Du nun die Hebräer (Landlose Nomadenvölker, die Gottergeben waren) meinst, dann kann ich mich damit identifizieren. Auch Abraham und Mose gehören dazu. Selbst Jesus hat die Hebräer als Vorbild genommen, als er von den Lehren der Väter sprach. Man sagt zwar, dass Jesus Jude war. Mit den Juden im heutigen Sinn (den Pharisäern) hatte sich Jesus v. Nazareth aber dauernd gestritten, weil diese Menschengebote lehrten. Worauf die Schriftgelehrten (Vorläufer der heutigen Juden) Jesus loswerden wollten.
Ich hoffe, damit habe ich Dir die Frage beantworten können. Entschuldige, dass ich so ausholen musste, aber ich wollte Dir Unklarheiten ersparen.
Ben: Aber Gott kann die daraus folgende Strafe selbst tragen. So verliert er nichts von seiner Gerechtigkeit.
Ich getraute mich so etwas vor Gott gar nicht zu denken. Ich für mich kann meine Strafe nicht an Gott abschieben. Es gibt Menschen, die das vertreten. Ich aber kann es nicht, schon deshalb, weil es nicht das Wort Gottes bzw. Jesu war, sondern die Theorie des Paulus (1. Korinther 15, 3), die sogar erst im 4. Jhr. ihre Gültigkeit bekam. Das Wort Gottes kann alleine durch die Lippen von wenigen Menschen kommen. Nämlich von Menschen, welche die Fähigkeit besitzen, mit dem Erzengel aus dem Reich der Himmel zu kommunizieren. Jesus von Nazareth war zweifellos ein Solcher. Deshalb bevorzuge ich die Zitate Jesu, auch wenn diese nicht von ihm selbst niedergeschrieben wurden.
Ben: Du wagst dich auf dünnes Eis, wenn DU entscheidest, welche Gebote heute noch Sinn machen und welche nicht. Woher nimmst Du diese Erkenntnis?
Nochmals, das wichtigste im Gesetzt ist die Beziehung zu Gott (verankert auf der ersten Tafel) und genauso die Beziehung zu deinen Mitmenschen (verankert auf der zweiten Tafel). Daran hängt das ganze Gesetzt und die Propheten. Also nehme ich die Erkenntnis daraus, und erwarte, dass jedes Gesetzt, welches aus diesen zwei Gebote- Tafeln entspringt, auch wieder auf diese Tafeln zurück zu führen ist. Wenn nicht, dann ist es ein Menschengebot, weil es widerspricht. Das lehrte uns Jesus von Nazareth.
Ben: Macht Beschneidung in deinen Augen heute noch "Sinn"?
Hier sprichst Du NICHT von einem Gebot im Gesetz, sondern von einem ewigen Bund mit Gott. Also ein Schwur, der Gott erkennen lässt, wer sich dem Schöpfer hingibt und seinen ewigen Bund hält.
Das ist die religiöse Erklärung der Beschneidung. Ob das religiös Sinn macht, kann ich nicht beantworten. Auch hier würde ich dem Willen Gottes nie widersprechen. Jesus sagte nie, man soll sich nicht mehr beschneiden. Jesus war selbst beschnitten. Also ändert sich daran auch nichts.
Aus medizinischer Sicht macht die Beschneidung heute noch immer Sinn. Es wäre nicht jeder zweite US- Bürger beschnitten, wenn es keinen Sinn täte. In meinem Arbeitsumfeld war auch schon „Smegma“ ein Thema, was die Beschneidung nur befürworten würde. Zudem gab es in meinem Forum auch Ärzte, die sich über die Beschneidung äusserten. Bei Interesse hole ich Dir den Beitrag nach vorne. Jedenfalls etwas, dass nichts Schädliches mit sich bringt.
Ben: Wenn es so wäre, würde mit ziemlicher Sicherheit niemand in den Himmel kommen. Denn was zählt ist Jesu Interpretation der 10 Gebote, nicht deine. Und dann fängt Mord oder Ehebruch bereits im Kopf an.
Und was, wenn meine Interpretation der 10 Gebote mit denen von Jesus identisch sind? Auch ich denke, dass bereits der Gedanke zählt. Oder anders gefragt, was ist deiner Ansicht nach die Interpretation von Jesus, wenn es um die 10 Gebote geht?
Ben: 2Ti 3:16 "Alle Schrift ist von Gott eingegeben"
Insofern ist es eigentlich egal, ob ich Paulus oder Mathäus zitiere (der wiederum Jesus widergibt).
Du zitierst aus einem Brief, den Paulus an seine Helfer schrieb. Er schrieb da über das Wort Gottes folgendes:
2Ti 3,15 und weil du von Kind auf die heiligen Schriften kennst, die Kraft haben, dich weise zu machen zur Errettung durch den Glauben, der in Christus Jesus ist. 3,16 Alle (diese) Schrift ist von Gott eingegeben und nützlich zur Lehre, zur Überführung, zur Zurechtweisung, zur Unterweisung in der Gerechtigkeit, 3,17 damit der Mensch Gottes vollkommen sei, zu jedem guten Werk völlig zugerüstet.
Etwa 250 Jahre später wird dieser Brief zu der „heiligen Schrift“ hinzugefügt. Was denkst Du, was davor als die „heilige Schrift“ bekannt war? Glaubst Du wirklich, Paulus würde das über seine Briefe schreiben?
Sagte Jesus nicht, man solle auch seinen ganzen Verstand für Gott und seine Mitmenschen gebrauchen?
Auf deine Antwort warte ich gespannt. Glaube mir, ich akzeptiere, was Du glaubst. Ich möchte aber gerne mit Dir austauschen, weil ich sehen möchte, worauf es bei deinem Glauben ankommt.
Gruss
Ahmet